Workout 2.0: VR und die Revolution der Fitnessindustrie?

Kennen wir sie nicht alle, diese Tage, an denen man einfach nur auf der Couch rumlungern und sich auf gar keinen Fall zu viel bewegen möchte? Mit Virtual Reality könnte sich das jetzt ändern. Verschiedene Unternehmen sowie auch Privatpersonen entwickeln kreative Ideen für neue Indoor-Work outs, die durch die Kombination von Fitness und Spaß jede Couch Potato zum Sport motivieren sollen.

Der Game Developer Aaron Puzey langweilte sich beim Radfahren auf seinem Hometrainer. So machte er es sich zum Ziel, auf seinem Indoor-Rad Großbritannien in VR zu durchqueren. Gesagt, getan. Er entwickelt eine App, welche mit Bildmaterial von Google Street View arbeitet. Mit der Samsung Gear VR legt Puzey über 8 Monate lang in eine Strecke von 1.500 km zurück – von Land’s End nach John o’ Groats.

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Aaron Puzey während seiner virtuellen Fahrradtour

Die Navigation durch das virtuelle Großbritannien gestaltete sich jedoch nicht immer einfach. Qualitätsprobleme wie Latenz oder Ungenauigkeit resultierten in Cybersickness. Vor allem die hohe Datenkomprimierung führte immer wieder zu Problemen. Beispielsweise radelte Puzey am Anfang seines Trips direkt in ein Gebäude hinein. Nichtsdestotrotz genoss er seine virtuelle Ausfahrt und hat nebenbei auch noch 50.000 Kalorien verbrannt.

Das englische Unternehmen VirZOOM verfolgt die gleiche Strategie und lockt mit dem Slogan „Play VR. Get Fit.“ Die verfügbaren Spiele werden speziell für aktive Bewegungssteuerung entwickelt. Es gibt die Möglichkeit, das speziell angefertigte VirZOOM Bike zu verwenden oder den VZ Sensor am eigenen Hometrainer zu befestigen. Über den Controller werden die Bewegungen in VR mittels der Pedale gesteuert.

Verschiedene Sportarten können auch im Mehrspielermodus gespielt werden. Bis zu 8 Spieler können im Wettbewerb gegeneinander antreten. Um den Fitnessaspekt noch zu intensivieren, kann ein stärkerer Widerstand eingestellt werden. VirZOOM ist für die Samsung Gear VR wie auch die PlayStation VR, HTC Vive oder Oculus Rift verfügbar. An der Kompatibilität mit dem Google Daydream VR Headset wird noch gearbeitet. Den VZ Bike Controller ist für $ 399,-, der VZ Sensor (ab Herbst 2017) für $ 89,- erhältlich.

Ein Münchner Start-up hat das VR-Fitnessgerät ICAROS entwickelt. Während man durch virtuelle Welten fliegt, werden in der Plank-Position verschiedene Muskelgruppen, vor allem Rumpf- und Schultermuskulatur, trainiert. Nebenbei wird auch die Körperbalance und Koordination verbessert. Eine kleine Studie (n=14) ergab, dass ein Plank mit dem ICAROS bis zu 30% mehr Kalorien verbrennt als ein herkömmlicher Plank.

Die Steuerung der Avatare findet über die Verlagerung des Körpergewichts statt. Im Multiplayer-Modus können 2 Personen gleichzeitig „fliegen“, langfristig sind Lösungen mit mehreren Teilnehmern geplant. Abnehmer des ICAROS sind vor allem Fitnessstudios, aber auch Einzelpersonen. Als weitere mögliche Zielgruppe werden Reha-Kliniken und Physiotherapeuten gesehen.

Ein komplettes ICAROS System (ICAROS Gerät, Samsung Gear VR Headset, ICAROS Flight Smartphone App und PC Monitor App) ist ab € 7.900,- (exkl. MwSt und Versand) erhältlich. Wer das VR Fitnessgerät zuerst vorab testen möchte, kann dies im Showroom in München tun. Die beiden Münchner haben für den ICAROS bereits einige Preise gewonnen, wie zB UX Design Awards 2016 oder ISPO Brandnew Overall Winner 2016/2017.

Das Unternehmen Holodia fokussiert sich auf Software-Lösungen und bietet unter dem Namen “Holofit” Workouts für die Sportarten Radfahren, Rudern, Steppen und Laufen an. Holofit ist eine “plug and play” Lösung, welche mit den meisten Fitnessgeräten kompatibel ist. Durch die Kreation von immersiven VR Welten sollen die User vergessen, dass sie gerade trainieren. Spaß soll im Vordergrund stehen, Fitness passiert nebenbei.

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VR-Fitness mit Runtastic

Bereits 2014 hat sich auch Runtastic mit dem Thema VR beschäftigt. Ein virtueller Fitnesstrainer begleitet Sportler durch die Workouts und kommentiert die individuelle Performance. Die App wurde so programmiert, dass die User-Bewegungen geprüft werden und somit konstruktives Feedback gegeben werden kann. Der User hat die Möglichkeit, die Umgebung des Trainings zu wählen. So können beispielsweise Personen die in den Bergen wohnen, in der Mittagspause am Strand trainieren. Einen guten Überblick über weitere VR-Fitness-Apps gibt es auf VR Fitness Insider.

Nicht nur Privatpersonen setzen auf Training in Kombination mit VR, auch immer mehr professionelle Sportteams nutzen die Technologie. Die Dallas Cowboys, eines der bekanntesten Teams der NFL (National Football League) in den USA, wurden bereits vor 2 Jahren von dem Startup StriVR Labs mit VR ausgestattet. Bei den Quarterbacks ist neben Fitness auch Taktik gefragt. Um zukünftige Strategien zu optimieren, wird der Quarterback virtuell zurück in das Spielfeld versetzt und er kann vergangene Spiele mit einem HMD aus der First-Person-View rekapitulieren.

Die NFL verfolgt aber auch noch eine zweite Strategie mit dem Einsatz von VR. VR soll eingesetzt werden, um die Spieler für mehr Toleranz zu sensibilisieren. Das Thema Rassismus kommt immer wieder zur Sprache. Mit dem Einsatz von VR, sollen weiße Spieler „am eigenen Leib“ erfahren, wie es ist, ein afroamerikanischer Spieler mit einer anderen Hautfarbe zu sein.

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Das Deutsche Fußball-Nationalteam trainiert mit einem HMD.

StriVR arbeitet nicht nur mit Football-Teams, sondern auch mit Teams der US-Basketball-Liga, einem US-Baseball-Team, dem US-Ski-Team und seit Neuestem mit der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft (DFB). 360-Grad Videos werden eingesetzt, um bei den Fußballern die intuitive Entscheidungsfindung zu verbessern, die Konzentration zu fördern und Routinen zu stärken. Ein großer Vorteil des VR-Trainings ist, dass sich die Spieler verbessern können, ohne eine Verletzung während des Trainings zu riskieren.

Wer Sport betreibt, egal ob nun mit VR Headset auf dem Kopf oder ohne, kommt ins Schwitzen. Neben der bereits am Anfang erwähnten Cybersickness, ist somit für viele auch Schweiß ein Problem.  Schweiß lässt sich nicht vermeiden – egal ob man ein herkömmliches Game in VR spielt, Fitness in VR oder Fitness im realen Fitnessstudio betreibt. Für VR-Sport empfehlen VirZOOM, die Hardware regelmäßig zu putzen sowie auch die Linsen zwischen den Workouts zu reinigen, um ein Beschlagen zu verhindern. Wer wirklich auf Nummer sichergehen möchte, sollte auf jeden Fall ein Schweißband tragen und kann sich zusätzlich auch ein VR Cover zulegen.

Wer von euch hat bereits ein Workout in VR ausprobiert? Tragen die virtuellen Welten tatsächlich zur Sport-Motivation bei? War das Training anstrengender? Wie war eure Erfahrung?


Quellen: Wired, GameStar & VR Fitness Insider

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