Test: VR Invaders

Jeder kennt den alten Pixel-Schinken, der schon unserer Kindheit Action und die Tiefen des Weltraums verlieh. Natürlich ist von Space Invaders die rede. Nicht ohne Grund heißt der neue Titel für die HTC Vive und Oculus Rift, den ich in dem Bericht bewerte, „VR Invaders“. Was die beiden Spiele gemein haben und ob die indirekte Neuauflage in der virtuellen Realität ähnlich Spaß und süchtig macht, lest ihr in den nachfolgenden Zeilen.

Stehe deinen Mann!

Die Überschrift ist nicht unüberlegt gewählt; so spielt ihr den Cyber-Soldaten Thomas (ein sogenannter Diver) welcher sich in ein Programm einschleust um ein bösartiges Virus zu bekämpfen. Soviel zur Handlung, die später dann doch mehr Gewichtung erhält als vermuten lässt. Mit den Vive-Wands oder Touch-Controllern gilt es die virtuellen Invasoren vom Programmkern fern zu halten – ganz in Waveshooter-Manier.

Hierbei gibt es keinerlei Locomotion-Funktion, man(n) steht also schlicht auf einem Punkt und muss sich mit Blastern, einem Schild und diverse Sonderfertigkeiten verbissen vor Schwärmen an Gegnern und so manch gigantischen Endbossen verteidigen. Klingt simpel – wurde in den letzten Wochen auch unfassbar quantitativ auf den Markt geworfen. Wieso also könnte VR Invaders mehr Spaß machen als andere Vertreter dieses neumodischen Genres?

Viel Herz, Stimme und Seele

Im Vergleich zu anderen Waveshootern, wie etwa Space Pirate Trainer, will VR Invaders aus dem Hause My.com mit etwas trumpfen, was ansonsten gerne in der Versenkung verschwindet: Einer Story. Obgleich die Handlung als solches nicht sonderlich Oscar-reif ist, kommt das Ganze als erstaunlich gelungene Verkettung gut und vollständig vertonter Missions-Briefings daher.

Ob simpler Dialog mit einer Hackerin, die uns Unterstützung und Ratschläge „von außen“ gibt oder später dem Virus selbst (ohne nun groß zu spoilern); alles wurde recht professionell gesprochen und gibt diversen vorhandenen Plottwists noch einmal eine besondere Würze. Auch während des Getümmels bringen Kommentare des Protagonisten (weniger aus der Serious Sam Schublade, mehr Richtung SOMA) und entsprechende Reaktionen etwas Abwechslung ins Spiel.

Coole Zeitlupen-Fähigkeiten, eine recht erstaunlich hohe Gegner-Diversität und ziemlich große Boss-Antagonisten runden das Bild angenehm ab. Nach und nach entsteht ein Flow, Level zu Level – wobei sich letztere zwischen den Kapiteln auch manchmal unterscheiden. Etwas, das SPT beispielweise stur ablehnt: Willkommene Abwechslung.

Prädikat: Qualität über Individualität

Wie eingangs bereits erwähnt, trumpft VR Invaders keineswegs mit einer einzigartigen Spielmechanik. Wave Shooter überschwemmen so langsam den VR-Markt und obgleich so manche recht viel Spaß machen oder it exotischen Themen daher kommen – keines bietet eine brauchbare Handlung. Bei VR Invaders macht man eine Ausnahme. Und das gilt auch der audiovisuellen Qualität.

Grafisch kommt das Spiel recht simpel und doch effektgeladen daher. Einfache Texturen und symmetrische (ja, schon systematisch moderne) Strukturen sorgen für ein gemütliches Bild in der Virtuellen Realität. In der Hektik kann eine exotische Umgebung ohnehin kaum begutachtet werden. Stets stehen wir am Abgrund, einem Schwarm von unterschiedlichen, fliegenden Gegnern entgegen. Diese sind durchdacht und helfen mit dem prägnanten Äußeren bei der Wahl der verschiedenen Heransgehensweisen (Schild, Explosion, Zeitschaden, etc). Die tollen Partikeleffekte beim Zerbarsten von Projektilen und Gegnern gleichermaßen sind hier die Kirsche auf dem Sahneberg.

Auf die Ohren gibt es angenehme, rythmische Dubstep-Mukke und wie schon erwähnt eine ungewohnt gute Vertonung in Intros und während des Getümmels.

Fazit

„Meine Güte, noch ein Waveshooter. Ehrlich?“ – Ich denke wir müssen anfangen zu differenzieren, welche Titel für ein VR-HMD unsere Zeit wert sind und welche nicht. Gerade in dieser Sparte würde ein enthusiastisches „Ich kauf mir alles für die Vive/Rift!“-Verhalten (was man bei vielen pionierhaft zu Beginn wiederfindet – auch bei mir!) unser Geldbeutel und die Festplatte erschlagen.

My.com wusste das und spendierte deshalb neben einer tollen Grafik und stets steigenden Herausforderung eine Handlung, mit Synchronsprechern und Twists. Das allein ist schon ein Mehrwert, der neben den üblichen Mechaniken und flüssigem Gameplay ein tolles Gesamtbild kreiert.

Leider fehlt ein kooperativer Modus und manchmal wiederholen sich die Bewegungsabläufe der Viren zu oft. Nichts desto trotz ein VR-Titel, das sein Geld wert ist.


Herzlichen Dank an Marchsreiter für die Bereitstellung des Musters!

VR Invaders

17,99€
VR Invaders
78.75

Audiovisuelle Qualität

8/10

    Inhalt / Handlung

    8/10

      VR-Komfort

      9/10

        Umfang

        7/10

          Positiv

          • Abwechslungsreiches Feindbild
          • Tolle Partikeleffekte
          • Gute Vertonung
          • Waveshooter mit Handlung

          Negativ

          • Repetitives Gegnerverhalten
          • Kein Koop-Modus

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