Test: ViewSonic XG2730

In Zeiten in denen bei Spielen beinahe 70% von der Reaktionsfähigkeit der Spieler abhängig ist, ist eine hohe Bildwiederholrate unerlässlich. Doch auch die Anforderungen der Spieler, hinsichtlich visueller Wertigkeit und Schärfe wächst immer weiter und weiter. Da ist es nur konsequent, irgendwann in einen schnellen Monitor mit einer Auflösung jenseits der üblichen 1080p zu investieren. Bei einem Blick auf den Markt wird jedoch recht schnell klar: Die Preise fallen oftmals mehr als happig aus. Viewsonic hat diesen Trand beobachtet und mit dem XG2730 darauf reagiert, sowie seinen Gaming-Anteil weiter ausgebaut. Ob das Preisleistungsverhältnis stimmt, lest ihr nun.

Der König ist tot, lang lebe der König

Sind wir mal ehrlich: FullHD alias 1080p alias 1.920×1.080 ist im Alltag ein bewährter Richtwert – doch heutzutage geht da einiges mehr. Auch wenn nextGen-Konsolen wie die PS4 Pro und erst kürzlich an den Markt gebrachte Xbox One X hauptsächlich mit dem Slogan “4k-ready” oder “real 4k” beworben wird, sieht die Praxis oft anders aus: Bei den Konsolen handelt es sich meist um höchst komprimierte Inhalte, die lediglich auf beispielsweise 4k hochskaliert werden.

Echtes 4k sieht anders aus und kommt nicht selten (bisher noch) mit schmerzlichen Einbußen daher: Der Hardwarehunger ist immens und selbst aktuelle Hardware hat noch oft Probleme die neusten Spiele in nativer 4k Auflösung auf den höchsten Einstellungen problemlos und vor allem genießbar darzustellen.

Und hier kommt 2k alias WQHD mit seinen 1440p ins Spiel: Als Schneise und gutem Kompromiss zwischen hoher Auflösung und Leistungsaufnahme beweist sich die Auflösung derzeit mehr denn je. Dementsprechend werden immer mehr Spiele-Schirme mit nativer WQHD-Auflösung auf den Markt geworfen. Da einen brauchbaren Kandidaten zu finden, der einem nicht direkt die grünen Haare vom Kopf frisst, ist nicht leicht. Mit dem XG2730 will Viewsonic also diejenigen Ansprechen, die zwar hohe Ansprüche an die Hardware stellen; jedoch nicht unerheblich tief in die Tasche greifen wollen.

Der XG2730 kommt in 27 Zoll mit einer Bilddiagonalen von 68,58 Zentimetern daher. Die native Auflösung von 2.560×1.440 sowie entsprechend hohe Bildwiederholfrequenz von 144Hz kommen in Kombination mit AMDs FreeSync-Technologie und allerlei spannenden Funktionen daher. Summa sumarum für weniger als 700 Euro.

“Mein Königreich für ein gutes Design!”

Der Bildschirm kommt in einem matten Schwarz mit roten Details daher. Diese sind höchst wahrscheinlich dem FreeSync, also AMDs Signaturfarben, geschuldet – ein Gegenstück mit Nvidia G-Sync ist nur als älteres Modell, dann aber mit grünen Verzierungen verfügbar. Hierbei stellt Viewsonic eine nicht zu dickes Panel und mit mattem Rahmen zur Verfügung, welcher zwar nicht gerade als “slim-bezel” bezeichnet werden könnte – dennoch professionell wirkt.

Der Standfuß (hinter dem sich übrigens eine VESA-Halterung versteckt!) hingegen wirkt sehr hochwertig und kann sich sehen lassen: Eine extrem dünne Basis in mattem und klarem Lack mündet in einer Säule mit eingelassenem Kopfhörer-Ständer und einer LED. Letztere passt sich im Rot-Grün-Blau-Spektrum dynamisch an den Bildschirminhalt an, sehr nett!

Was außen jedoch schick erscheint, wirkt unter der Haube leider weniger anmutig: Das On-Screen-Display ist trotz physikalischer (statt, wie heutzutage oft genutzter, kapazitiver) Tasten sehr “klumpig” und in der Nutzbarkeit recht träge. Zwar verbringt man hier im Schnitt nur 5-15 Minuten in der gesamten Nutzungsdauer des Monitors, dennoch schade. Eine Abhilfe bei Farbproblemen schafft jedoch ein anderes Gimmick: Viewsonic liefert mit dem Treiber ein zertifiziertes ICC-Farbprofil für die Windows-interne Farbverwaltung; ein langes Herumspielen mit den Farb- und Sättigungs-Einstellungen entfällt so also (teilweise).

Neben dem schon erwähnten VESA-Mount befinden sich auf der Rück- und Unterseite die hiesigen Anschlüsse: Neben einem Displayport- und einem HDMI-Eingang (mit neustem Standard) bringt der XG2730 noch je zwei USB-Anschlüsse für 2.0 & 3.0, sowie den obligatorischen Klingenanschluss mit. Die integrierten Lautsprecher sind jedoch eher zweckdienlicher Natur: Bei 2 Watt Leistungsdurchsatz kann nicht viel erwartet werden, obgleich auf der Herstellerwebseite mit “erstklassiger und satter Akustik” geworben wird.

Show me what you got

Der Monitor kommt mit einem, seiner Auflösung aber mehr der hohen Bildwiederholrate und dem Preis geschuldeten, TN-Panel daher. Irgendwo muss auch gespart werden bei diesem Preisschild: Die 4ms Reaktionszeit auf dem Papier fallen im Alltag selbst mit aktiviertem Overdrive (von denen es beim XG2730 drei Varianten gibt) eher mager aus und die Blickwinkelstabilität leidet ebenfalls an der Panel-Wahl. Die Farben sind satt und das Bild zuweilen sehr kontrastreich (bei einem Verhältnis von 1000:1).

Natürlich kommt der TN-Panel nicht an IPS- oder MVA-Panels ran, macht seine Arbeit im Falle des Viewsonic Monitors jedoch erstaunlich gut: Die Farbgebung ist in allen Ausleuchtungsbereichen sauber und die Helligkeit überzeugt. Leider hat sich die eben erwähnte Ausleuchtung im Test als das größere Manko herausgestellt: Bei Inhalten mit satten Schwarzbereichen fallen gelegentlich Trapez-Zonen auf, die ungleichmäßig ausgeleuchtet werden. Bei dem Schwarzbild-Test erfolgte dann die ernüchternde Bestätigung: Gerade in den Ecken fällt das Problem schnell auf. Etwas, das im Alltag definitiv übersehbar ist; dennoch an dem Gesamteindruck kratzt. Gerade Liebhaber dunkel inszenierter Spiele oder Filme dürften daran stören, dass Schwärze manchmal zu hell wiedergegeben wird. Zwar bringt der Bildschirm zwei Features mit, die hier aushelfen wollen (“ColorX” und “Black Stabilization”), doch hardwarebedingte Fehler lassen sich mit digitalen Hilfsmitteln kaum ausbügeln.

Dennoch: Im Vergleich zu vergangenen Testmodellen fällt der Viewsonic XG2730 durch seine hohe Farbtreue auf; etwas, das man bei einem TN-Panel nicht unbedingt erwarten kann. Die 144Hz überzeugen natürlich auch; können aber wie die native Auflösung nicht in die Wertung des Geräts direkt einfließen.

Fazit

Der Viewsonic XG2730 besticht durch drei Dinge: Preisleistungsverhältnis, tolle Optik und angenehm hochwertige Farbwiedergabe. 2k ist der logische nächste Schritt beim Umstieg auf einen neuen Monitor, weil 4k die meisten Systeme hinsichtlich hochwertiger Spiele schnell an ihre Grenzen bringt. Und der Plan geht auch auf: Die hohe Bildwiederholrate zahlt sich somit deutlich aus, weil die Bandbreite so eher voll ausgereizt werden kann.

Der Screen wirkt professionell und ist wunderbar verarbeitet; nur das OSD-Menü enttäuscht etwas. Ein DVI-Anschluss wäre sicherlich noch konsequent gewesen, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Generell macht der XG2730 seine Arbeit sehr gut, wenn man von Trapez-Flächen im Schwarzbereich absieht. Diesbezüglich muss sich jeder selbst fragen, wie wichtig einem die gleichmäßige Ausleuchtung tatsächlich ist; denn auf die Schnelle finden sich nicht viele Alternativen in dem Preissegment.


Herzlichen Dank an Viewsonic für die Bereitstellung des Testexemplars und das damit entgegen gebrachte Vertrauen.

Viewsonic XG2730

659,64€
Viewsonic XG2730
7.9

Technik

9.0/10

Verarbeitung

8.0/10

Umfang

7.0/10

Preis/Leistung

7.5/10

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.