Test: Vanquish

Schnelle Spiele, brachiale Action und männliche Sprüche mögen wir in gewisser Hinsicht doch alle – nicht wahr? All das bot ein sehr spezieller 3rd Person Shooter namens Vanquish schon vor sieben Jahren.

Damals auf der Xbox 360 und Playstation 3 beheimatet, dreht sich das Spiel von Platinum Games vor allem um die eingangs erwähnten Elemente. Eine Handlung gab es nur am Rande – etwas, das man verzeihen konnte: Dank des bombastischen Gameplays und der damals bahnbrechenden Grafikeffekte war Vanquish der Geheimtipp schlechthin.

Kein Wunder also, dass der Schrei nach einer PC-Fassung in neuem Gewandt entsprechend groß war. Die gute Nachricht: Platinum Games hat euch gehört. Wir haben Vanquish schon vor Release ausgiebig gespielt und fassen hier nun die wichtigsten Erkenntnisse zum Re-Release auf dem PC zusammen. Lock and load!

Hektischer Einzeiler

Das Spiel bietet zuweilen in gelungene Zwischensequenzen

Vanquish spielt in einer nicht all zu fernen Zukunft: In der Haut des DARPA-Forschers Sam Gideon finden wir uns in einem Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und einer gigantischen, russischen Roboter-Übermacht. Im Zuge des Konflikts sollen wir einen neuartigen Kampfanzug testen: ARS – den Augmented Reaction Suit.

Wie der Name bereits erahnen lässt, multipliziert diese Rüstung unsere Reflexe, Geschwindigkeit und grundsätzliche Auffassungsgabe ins unermessliche. Etwas, das noch nie im Einsatz war und eine Feldprobe unabdingbar ist. Sam erklärt sich für dieses gefährliche Unterfangen bereit und stürzt sich an Seite eines grobschlächtigen „Geralt von Riva“-Abbilds namens Robert Burns ins Getümmel, um die Welt zu retten. Klingt flach; ist es auch. Das ist allerdings kein Problem – wie ihr sehen werdet.

In dem Spiel existiert keine nennenswerte Charakterentwicklung, was dem eigenen Charme jedoch keinerlei Abfall tut. Während unser hochgepumpter Supersoldat in Crysis-Manier wie auf Christal Meth über das Schlachtfeld huscht, hören wir hier und da vereinzelt amüsante Gespräche zwischen den Protagonisten. Zuweilen sehr männlich, sehr plump und teilweise doch recht primitiv, jedoch stets belustigend wird hier die Zahl der Abschüsse verglichen oder mit Specialmoves (wovon Sam einige auf dem Kasten hat!) angegeben.

Viel weiter kann man zur Handlung an dieser Stelle auch nicht ins Detail gehen, ohne eine Spoilerwarnung ausgeben zu müssen. Das Spiel hält zwar ein Paar nette Twists parat; trumpft erzählerisch ansonsten hauptsächlich mit seinem Witz und der abwechslungsreichen Szenerie. Der Entwickler verzichtet hier vermutlich bewusst auf eine umfangreiche Handlung: Vanquish lebt von seinem durch die Geschwindigkeit und den Wettkampf bedingten Wiederspielwert.

„DAS lief auf den alten Konsolen?!“

Auch sieben Jahre später muss man einfach unterstreichen, wie unglaublich gut Vanquish für sein Alter aussieht. Natürlich muss nun betonen, dass es sich bei Vanquish (2017) nicht etwa um einen Remake handelt, sondern ein Re-Release mit unserer Zeit entsprechenden Grafikoptionen.

Vanquish landet endlich auf dem PC – mitsamt aller erdenklicher Optionen: 4K oder mehr, Antialiasing, keine Bildratenbegrenzung und viel, viel mehr. Der vielen, einstellbaren Neuerungen zum Trotz muss man einfach staunen, dass das Spiel damals für die Xbox 360 und Playstation 3 erschien.

Das hektische Geschehen sieht trotz seines Alter umwerfend aus

Das Spiel geizt nicht mit Effekten wie Explosionen, tausende Raketen und hektischem Adrenalin-Gewitter: Mal hechten wir als Sam Gideon in eine Deckung, nur um festzustellen dass gefühlt 200 Raketensalven auf uns zufliegen – nur um im nächsten Moment mitten in Feuergefechten mit zwei Dutzend Robotern zu stehen. Schon damals wurde der Titel verständlicherweise hierfür gefeiert: Es lief auch Anno 2010 astrein.

Die erweiterte, grafische Kapazität ist hier nur Kirsche auf dem Sahneberg: Man sieht zwar an der Polygondichte verschiedener Modelle sowie einiger Texturen, dass das Spiel rein inhaltlich definitiv ins Alter gekommen ist – etwas, das uns jedoch nicht vom Staunen abhält.

Hierbei steht leider dennoch außer Frage, dass Platinum Games mit den heutigen Mitteln deutlich mehr aus dem Re-Release hätte holen können: Die Texturen skalieren zwar in gewissem Grad bei höheren Auflösungen mit, können dann aber spätestens auf 4k oder mehr ihr Alter nicht mehr verstecken. Ein neuer Satz hochauflösender Texturen wäre hier natürlich perfekt gewesen.

Gears of War trifft Crysis (auf Japanisch?)

Vanquish ist nach wie vor eines ganz besonders: Eine Hochgeschwindigkeits-Orgie. Ein gewisses Maß an Übung vorausgesetzt, fliegt Sam Gideon förmlich über das Spielfeld. Hierbei schlagen wir uns von Gebiet zu Gebiet und greifen hierbei auf ein annehmbares Arsenal aus Waffen zurück. Und wenn diese nicht reichen, machen es unsere Reflexe und manchmal auch rohe Gewalt wieder wett. Nette Zwischensequenzen und rasante, sowie zeitgleich unfassbar anmutige, Quicktime-Events und Zeitlupensprünge lassen euch förmlich in einen exotischen Rausch versinken.

Vanquish lässt sich zwar gut mit der Maus und Tastatur spielen (PCMR Sektenmitglieder rejoice!) – das Spiel versteckt aber keineswegs seine Ursprünge: Russische Roboter, welche zuweilen haushoch wachsen, lassen sich auch sieben Jahre später noch am besten mit dem Controller verkloppen. Die Steuerung ist zu Beginn gewöhnungsbedürftiger als bei etwaigen anderen Vertretern des Genres, doch Trial & Error brachte im Zweifelsfall schon jeden Gamer zum Ziel. Aber Achtung: Das Spiel kommt zwar in vier Schwierigkeitsgraden daher (Automatisch, Einfach, Mittel, Schwer), verzeiht euch eure Fehler aber nur minimal. In einem Moment hechtet Sam noch über die leblosen Reste seiner gefallenen Widersacher, im anderen Moment haut ihn buchstäblich schon ein einfacher Schlag aus den Latschen. Movement ist alles!

Großer Pluspunkt ist übrigens nicht nur die visuelle Anpassbarkeit des Spiels: Vanquish kommt in wahlweise vier Sprachen. English, Deutsch, Französisch sowie das originale Erlebnis auf Japanisch. Hierbei dürft ihr auch frei wählen, ob Untertitel und Menüs in ihrer jeweils eigenen Sprache dargestellt werden sollen. Für die Freaks unter uns heißt das konkret: Gleich zu beginn die eher peinliche, englische Vertonung mit dem japanischen O-Ton auswechseln und wunschlos glücklich sein. Klingt so viel besser und hilft bei der Akzeptanz der doch sehr absurden Action und des stellenweise verwirrenden Plots: Vanquish, der Action-Anime.

Fazit

Vanquish war schon vor sieben Jahren eine Wucht: Nur wenige Spiele boten damals eine so rasante Action, die einem kaum Luft zum Atmen oder lernen des Steuerungslayouts ließ. Platinum Games hat auf seine jahrelange Fangemeinde gehört und uns nun nach Bayonetta auch endlich Vanquish auf den PC portiert.

Ganz in 4k, mit allen möglichen Aufhübschungsoptionen und allen DLCs erscheint das Spektakel wörtlich in neuem Glanz. Zwar hätte Sam Gideons Abenteuer noch ein wenig mehr an das Jahr 2017 angepasst werden können – insbesondere was die Zwischensequenzen und Menüs betrifft… das tut dem Spaß und der Hatz nach der besten Zeit und diversen Steam-Achievements jedoch keinerlei Abbruch.

Auch 2017 ist Vanquish eine Achterbahnfahrt, die sich wie Crysis auf 3rd-Person-Steroide anfühlt. Die kurze Spielzeit und das Score-System sorgen für hohen Wiederspielwert. Auf weitere rasante 7 Jahre – bis dahin erwarten wir jedoch einen würdigen Nachfolger, Platinum Games!

Vanquish

15,68€
Vanquish
78.75

Audiovisuelle Qualität

9/10

    Inhalt/Umfang

    6/10

      Gameplay

      10/10

        Geschichte

        7/10

          Positiv

          • Fehlerfreie Portierung mit vielen Grafikoptionen
          • Hoher Wiederspielwelt & Steam-Achievements
          • Unverfälschte Adrenalin-Action Anno 2010
          • Fünf Sprachen (Text & Ton!)

          Negativ

          • Veraltete Menüs
          • Kaum überarbeitete Zwischensequenzen
          • Texturen nicht zeitgemäß

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