Test: TM T16000M FCS Flight Pack

Lange war es still um die HOTAS (Hands on Throttle and Stick) Sparte aus dem amerikanischen Hause Thrustmaster. Nach dem T.Flight-X, welcher sich wirklich lange in den Toplisten ganz oben halten konnte – nicht zuletzt durch seine robuste Bauweise und das wunderbare Preis-Leistungs-Verhältnis – kommt nun in Zusammenarbeit mit Elite Dangerous Erfinder Frontier Developments etwas neues: Das T.16000M FCS HOTAS, beziehungsweise in unserem Fall das Flight Pack.

Ich durfte schon früh als einer der ersten deutschen Pressevertreter die Hand anlegen und berichte euch nachfolgendend von meinen Erfahrungen. Das Bundle, welches als Flight Pack daher kommt, besteht aus dem TWCS Throttle, T.16000M Joystick und den TFRP (TFlight Rudder Pedals). Um das Set besser bewerten zu können, gehe ich auf die einzelnen Elemente als solches ein; zum Schluss, wie das Thrustmaster Ökosystem greift und was die Software kann.

T.16000M FCS Flightstick

Wer den T.FlightX in Erinnerung hat, weiß in etwa, was einen bei Thrustmaster erwartet. Im Vergleich zu Saitek-Vertretern weniger filigrane Steuerelemente, weniger Bauteile die ab-/brechen können. So auch beim neuen Ableger der hauseigenen Joystick-Serie. Der T16kM (wie ich ihn nachfolgend nennen werde) liefert ganze 16 Tasten – zwölf auf der Basis und vier am Stick. Die Tasten sind, abgesehen vom ergonomisch geformten Schusstrigger, alle in dem selben matt-schwarz gehalten wie der Rest des Geräts. Das tut der Funktionalität keinen Abbruch, so sind alle Tasten am Stick bequem sowohl für Rechts- als auch Linkshänder erreichbar. Die Bedienelemente der Basis hingegen können nur genutzt werden, wenn die Seitenhand zu Trage kommt, oder die Haupthand vom Stick genommen wird. Vertiefungen und Pins auf den Tasten bieten jedoch eine kleine Orientierungshilfe, wenn es mal schnell gehen muss ohne den Blick vom Geschehen abzuwenden.

Man kommt nicht umhin, dem Stick die Kooperation mit Elite Dangerous Entwicklerstudio Frontier Developments anzusehen: Abseits des Schwarz‘, sind Details und Aufdruck in ELite-typischem orange gehalten. Auch der Mündungspunkt des Sticks in der Basis wird von einer orangen, leicht transparenten Scheibe bedeckt. Netter Nebeneffekt, welcher auf Dauer stören könnte: Der Mündungspunkt beherbergt orange LEDs, welche bei jeglicher Berührung des Sticks leuchten. Leider lässt sich dieses Feature nicht deaktivieren; Spieler die es stört müssten also leider andere Wege finden.

Ansonsten gibt es am T16kM nichts zu meckern. Hier hat Thrustmaster in der langen Entwicklungszeit seit dem alltagstauglichen T.FlightX nicht gekleckert: Eine robuste Bauweise, die stabile Basis sowie die Möglichkeit das Gerät für Rechts- und Linkshänder gleichermaßen vorzubereiten sprechen für sich. Dazu gesellt sich zwar ein kleiner Schubregler und ein Achtwege-Kopfschalter an der Spitze; diese sehe ich jedoch als Standard – obgleich ich ersteres nie benutze (Throttle sei Dank!).

Ein besonderes Feature, welches sich nicht bei vielen Vertretern der Peripherie-Sparte wiederfindet, weiß ich wirklich sehr zu schätzen: Die vierte Achse. Der Stick lässt sich leicht nach links und rechts drehen. Diese Funktion ist nach Meinung vieler Spieler wegen der Pedale (auf die wir später kommen) obsolet; doch ich persönlich empfinde das Ausrichten der Nase auf diesem Weg deutlich angenehmer. Als letztes I-Tüpfelchen gesellen sich gut platzierte Antirutsch-Noppen an der Unterseite und ein Schalter für Lechts- oder Linksbedienung (vermutlich zur Unterscheidung bei 2-Stick-Konfigurationen).

Der Flightstick bedient sich einer von Thrustmaster patentierten Technologie namens H.E.A.R.T. (HallEffect AccuRate Technology). Zusätzlich gestützt durch eine 2,8mm dicke Feder bedient sich der Joystick so einer Auflösung von 16 Bit (heißt an Werten zwischen 16.000×16.000), was man bis dato nur beim sehr teuren Warthog Hotas von Thrustmaster fand. Das sorgt für eine unfassbare Präzision der Bewegungs-Übersetzung in der Praxis, was sich beim Spielen im Vergleich zum Vorgänger doch sehr bemerkbar gemacht hat.

Der T.16000M FCS Flightstick fühlt sich im Großen und Ganzen wertig an, knarzt nie und die Akzentfarben gefallen mir persönlich als Elite Dangerous-Veteran sowieso sehr. Die Bedienung ist komfortabel, auch wenn die Tasten der Basis ein kurzes Umgreifen erfordern. Ansonsten hat er alles was man beispielsweise im All braucht.

TWCS Schieberegler

Der neue Schieberegler TWCS, welcher sich zum Flight Pack und HOTAS als solches dazu gesellt, ist (pardon) ein wahres Monster. Die durchdachte Bauweise und der Funktionsumfang dürfte jeden in den ersten Sekunden erschlagen – nach einer Eingewöhnungsphase aber auch wiederum jeden Hobby-Piloten (vor allem auch im All!) glücklich machen: Ganze 5 Achsen, 30 Tasten, unglaubliche zwei Achtwege-POVs und ein kleines, dreiachsiges TFRP Ruder sprechen Bände.

Auch der TWCS kommt in einem matten schwarz, aus robustem PVC und mit orangen Signaturfarben daher. Alle Bedienelemente sind ebenfalls in schwarz gehalten; außer zwei Seitentaster und ein Daumenknopf – welcher in Elite zum Beispiel bezeichnend mit Vorsicht genossen werden muss; um hier etwa den Flugassisstenten temporär zu deaktivieren. Wie bei Thrustmaster typisch ist auch der Throttle sehr robust gebaut und liegt auf einer stabilen, von Metall gestützten Basis.

Hier sind wirklich alle Elemente ohne großes Umgreifen im Eifer des Gefechts erreichbar. Mit dem Daumen etwa bedienen wir ganze drei Achtwege-Schalter und den besagten „FlightAssist“-Button; mit dem Zeige und Ringfinger dann je nach Bedarf den separaten Achtwege-Stick(!), das zusätzliche Ruder (meine ganz besondere Vorliebe bei lateralen Manövern) sowie ein kleines Regler-Rad und vier Zusatztasten.

Der Schubregler arbeitet mit einem neuen, von Thrustmaster frisch patentierten, Gleitsystem. „S.M.A.R.T.“ (Sliding Motion Advanced Rail Track) verlässt sich bezeichnend auf Metallschienen, welche in der Basis verbaut sind. In der Theorie soll dies für ein reibungsfreien Regelungsverlauf sorgen. Tatsächlich hatte ich oft Probleme mit dem Schubregler, der doch recht starr auf der Schiene sitzt.

Die Entdeckung eines weiteren Features hat hier mein Pilotenleben und somit die Bewertung der Rezension gerettet: Eine Spannungsschraube, die bei richtiger Positionierung des Reglers zum Vorschein kommt. Mit ihr kann der Widerstand des S.M.A.R.T.-Schienensystems justiert werden. Ein paar Umdrehungen nach links und schon ließ sich der Antrieb meiner ASP Explorer (in Elite Dangerous) deutlich geschmeidiger regeln. Klasse! (Anmerkung der „Redaktion“: Ansonsten hilft sicher etwas WD40.)

T.Flight Rudder Pedals

Auch die Pedale des Flight Packs, welche bei der FCS HOTAS Variante fehlen, sind nicht von schlechten Eltern. Sie bauen auf das selbe Schienensystem des Schieberegles und bieten so ein uneingeschränktes Regeln der Gier-Achse. Richtig gehört: Bei Rudder Pedals handelt es sich nicht um schlichte, in Rennspielen verwendete, Pedale. Sie kommen mit einer zusätzlichen Achse daher, auf welcher sich (je nach Vorlieben) beispielsweise Gier-Manöver bedienen lassen. Das funktioniert durch das hin und her Schieben der Füße – etwa wie beim Skilauf.

Bei der Notwendigkeit von Pedalen, oder gar gleich Ruderpedalen bei Flugsimulatoren und ganze besonders Space-Sims wie etwa Elite Dangerous spaltet sich die Community seit Jahren in zwei Lager: Die einen schwören auf die Funktionalität und Genauigkeit der Pedale für Gier- und Drehbewegungen. Die anderen, wie ich etwa, sind mit der Bedienung per Fuß gänzlich überfordert, greifen lieber auf die Drehfunktion des Sticks zurück und sehen generell keinen Sinn hinter „Ruder“ in einer Weltraumsimulation, wo laterale Düsen vorherrschen. Letzten Endes also reine Geschmackssache.

Die Pedale sind wie der Rest des Sets ebenfalls sehr robust gebaut und kommen sogar mit zwei Modi daher: Die Möglichkeit seine Füße ganz aufzulegen, oder das Entfernen der Fersenhalterungen, um die Fersen auf dem Boden abzustützen. Letzteres fand ich persönlich bei meinem Test am angenehmsten, da so nicht das ganze Gewicht der Füße/Beine auf dem Gerät lag. Die Möglichkeit, das Seitenruder mit den Füßen zu verschieben fühlt sich zu Beginn sehr ungewohnt an, doch macht gerade bei Oldschool-Flugsimulatoren oder gar umfangreichere Manöver im Weltraum Sinn: Ein unabhängiges Flugverhalten durch drei verschiedene Eingabequellen hat im wahrsten Sinn des Wortes Hand und Fuß.

Auch die T.Flight Rudder Pedals werden, wie jeder einzelne Bestandteil dieses Pakets, mit einem separaten USB-Kabel angeschlossen. Dem wird ein Adapter beigelegt, welcher das ursprüngliche RJ11-Kabel des Geräts zu USB umwandelt. Nach Bedarf können die Pedale somit wohl auch per RJ11 an den TWCS Throttle gekoppelt werden.

TARGET, oh TARGET…

Thrustmaster stützt sich seit Jeher auf ein selbstentwickeltes Programm zur umfangreichen Konfiguration der einzelnen Bewegungen und Belegungen der Geräte. Das auf „TARGET“ getaufte Programm wirkt umfangreicher als das Inventar Schweizer Landesbanken und fühlt sich in der Praxis leider auch so an. Eine Einweisung in die Anlegung einzelner Profile und das Binden an die unterschiedlichen Spiele und ihrer Prozesse fehlt gänzlich. Zwar sind die Möglichkeiten in der Theorie von unschätzbarem Wert; letzten Endes hat sich in der Praxis leider das Gegenteil heraus gestellt.

Das Programm macht bei vielen Spielen Probleme und teilweise raten sogar Vertreter der Entwickler in Foren und Co davon ab, auf TARGET zurück zu greifen. Am Ende hat sich bei meinem Test leider das strikte Nicht-Verwenden von TARGET am besten bewährt. Der normale Peripherie-Treiber, ganz ohne Softwarestütze, macht seinen Job hier am besten und wird durch tolle vorgefertigte Profile in den hiesigen Titeln gut unterstützt. Das geht anders.

Fazit

Das T.16000M FCS Flight Pack liefert alles was das (Weltraum-)Pilotenherz begeht: Ein robuster und präziser Steuerknüppel, ein Schieberegler mit unfassbar vielen Funktionen und ein Set Ruderpedale für Enthusiasten. Auch wenn sich streiten lässt ob Letzteres Pflicht ist (hier kann man auch schlicht auf die HOTAS-Variante des Fight Packs zurück greifen), bietet Thrustmaster hier ein tolles Paket, was sich im Alltag gut bewähren kann. Wie schon der T.FlightX in der Vergangenheit, dürfte das T16kM Set lange auf dem Thrustmaster-Thron sitzen. Das Preisleistungsverhältnis ist wieder einmal sehr gut.

Leider wird das Bild durch kleine Patzer getrübt: Die Pflich-Beleuchtung, das miserable Konfigurationsprogramm und die Tatsache dass wir den Schieberegler nicht direkt an den Flightstick koppeln und somit USB-Ports sparen können – alles, was so nicht hätte sein müssen. Gerade als VR-Enthusiast wie ich es bin, ist jedes zusätzliche USB-Kabel ein Sargnagel. Hier hätte ich mir eine Möglichkeit gewünscht, Stick und Schubregler wie die Pedale miteinander verbinden zu können.

Summa summarum kann ich das T.16000M FCS Flight Pack nur empfehlen. Wer sich nicht im Klaren ist, ob die Pedale wirklich notwendig sind, kann auch auf das günstigere HOTAS Set zurück greifen. Grundsätzlich lässt sich sagen: Thrustmaster ist es gelungen, einen angemessenen Nachfolger für den zuverlässigen T.FlightX zu liefern, der einen für wenig Geld in der Liga der Großen mitspielen lässt. Man sieht sich im All!


Vielen herzlichen Dank an behle & partner GmbH & Co. KG für die freundliche Bereitstellung des Musterexemplars!

T.16000M FCS Flight Pack

218,91€
T.16000M FCS Flight Pack
88

Verarbeitung

10/10

    Umfang

    9/10

      Komfort

      10/10

        Technik

        9/10

          Software

          7/10

            Positiv

            • Sehr viele Bedienelemente
            • Ergonomisch und robust
            • Auf Elite Dangerous abgestimmt
            • Justierbare Regler-Stärken
            • Saubere Übersetzung der Eingaben

            Negativ

            • Viele USB-Anschlüsse nötig
            • Eigene Software macht Probleme
            • Beleuchtung nicht abschaltbar

            5 thoughts on “Test: TM T16000M FCS Flight Pack

            1. Also das System soll für den Preis wohl der Oberknüller sein. Bekannte sagten das es bei Star Citizen genauso gut ist wie der Warthog da selbe Übertragung. Da kann man nix falsch machen für den Preis!

            2. Auf jeden Fall! Dazu kommt halt noch die Robustheit. 🙂 Aber für Star Citizen würde ich vielleicht doch eher ein 2Stick-System empfehlen. Aber da kann man dann auch einfach zweimal zum einzelnen T16kM Stick greifen, da man den sowohl für links als auch rechtshänder einrichten kann. manche finden das in SC besser als mit Schieberegler.

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