Test: Teufel Cage

Lautsprecher Teufel ist nun ja schon seit langem Teil unseres Test-Repertoires hier auf VR-Freaks und dementsprechend bestand schon lange reger Kontakt zu dem Berliner Unternehmen. “Mensch, wann kommt denn endlich ein Gamingheadset von euch?” war eine der vielen Fragen in der Vergangenheit – und heute gibt es endlich eine Antwort: Das Teufel Cage.

Gewohnte industrielle Qualität

Das Teufel Cage ist das erste Headset des deutschen Lautsprecher-Herstellers. Genau diese Tatsache ist es, was mich beim Testen der Lauscher so stutzig machte: Keine Vorarbeit, keine jahrelange Erfahrung mit der teils sehr gnadenlosen Gaming-Community, kaum Präferenzen im Gaming-Sektor “at all”! Zwar wurden mit einem Mediadeck; quasi einer kleinen Soundbar für den Schreibtisch, Anläufe in Richtung der neuen Zielgruppe gestartet – doch so richtig warm wurde man damit nicht.

Das HD-Headset kommt mit einer integrierten USB-Soundkarte, 40mm LinearHD-Treibern und ganz vielen Funktionen daher – kein Wunder also, das man schon lange zuvor nicht so richtig bei Nachfragen nerviger Journalisten über das neue Produkt reden durfte. Das Cage ist für Teufel ein Versuch, die Spielergemeinschaft zu erobern: Mit zwei HD-Mikros, virtuellem 7.1 Surround-Sound und einem beeindruckend robusten Design, kommt das Headset beinahe Hannibals Alpenüberquerung mit 37 Elefanten gleich.

Gerade letzteres fällt bei erster Betrachtung sofort ins Auge: Das Gros des Erscheinungsbildes besteht aus Aluminium in eloxiertem Gunmetal-Design. An den Seiten prangt das berühmte Teufel-Logo, eingelassen mit LEDs, welche bei der Nutzung rot aufleuchten. Unterhalb des Kopfbügels ist eine hochwertig verarbeitete Kunstlederpolsterung angebracht und auch die Ohrenpolster kommen im selben Material daher. Beides bedient sich Memory Foams, was gerade bei mehrmaligem Tragen für das immer selbe, bequeme “Neu”-Gefühl sorgt.

Akustisch klotzen, statt kleckern!

Man hätte es beinahe nicht anders erwartet: Das Cage klingt unglaublich gut. Gerade die Höhen und der Dynamikumfang werden kristallklar und ausgewogen wiedergegeben. Wer hier an dieser Stelle allerdings Teufel-esque (ich verzichte an dieser Stelle bewusst auf das Wortspiel “teuflisch”) Tiefen und wummernde Bässe erwartet, wird eingangs erst einmal enttäuscht sein:

Die Feinabstimmung des Headsets ist auf Gleichschaltung der Frequenzen und einen sanften Equalizer ausgelegt. Für die entsprechende, cineastische Stimmung, die in einem Battlefield 1 den Kopf vibrieren lassen, müssen wir per mitgelieferter Software nachhelfen.

Dennoch kann die Akustik auf ganzer Linie wirklich überzeugen: Per mitgelieferter Software (deren direkten Entwickler wir auch auf Nachfrage leider nicht ausmachen konnten) können Zusatzfunktionen wie “Xear Surround Headphone” (der softwaregestützte 7.1 Emulierungs-Algorithmus) und “Xear Surround Max” (quasi ein Supersampling von Stereo auf Mehrkanal) zugeschaltet werden. Eine Anpassung des eingangs erwähnten Equalizers hilft indes jeder Geschmack- und Musikrichtung nach.

Nicht zuletzt rundet die halbgeschlossene Bauweise das Klanggefühl gut ab: Trotz der gut durchdachten Lüftungs-Schächte an den Seiten, welche längere Spielen ohne Schwitzen ermöglichen, schirmt der Polster die Geräusche in der Praxis sowohl von innen als auch außen überraschend gut ab. Auch bei meinem Extrem-Test, einem 12 Stunden Flug nach Los Angeles, bewährte sich der Cage als reiner Kopfhörer mehr als tapfer.

Das mitgelieferte Mikrofon liefert zwar klare Nuancen an Discord und Co; ist jedoch keinesfalls das Highlight des Gesamtpakets. Qualitativ auf einer Höhe mit den neusten Boommics, jedoch nicht atemberaubend besser. Die Sensibilität hingegen ist beachtlich und per Software lässt sich auch hier wieder einiges anpassen.

“3×3 macht 9.. ich machs, wie mir gefällt…”

Der Cage ist ein Allrounder wie er im Buche steht, was er nicht zuletzt auch seiner Anschlussmöglichkeiten zu verdanken hat. Neben dem USB-Anschluss befindet sich an der Rückseite der linken Muschel (ungewöhnlich und doch passfest in die Bügel-Scharnier eingelassen) auch ein 3.5mm Klinkenanschluss.

Das Headset lässt sich somit an jeder erdenklichen Plattform bedienen – büßt hierbei höchstens seine digitalen Funktionen mangels Software-Stütze ein. Ein Volume-Regler mit markanter Textur sorgt außerdem für fließende Lautstärkejustierung ohne großes Hickhack oder Rätsel bei Sessions in der Dunkelheit.

Allein die Zusatztasten wissen anfangs jeden Nutzer sicherlich zu verwirren: Allein an dem ansteckbaren HD-Mikrofon mit Schwanenhals befindet sich ein mechanischer Schiebeschalter (Stummschalten mal anders). Dazu gesellen sich eine Telefontaste zur Annahme von Anrufen via Handy (über das Klinkenkabel) oder einschlägiger VoIP-Software, sowie eine Taste für das Wechseln der Tonquellen. Das manchmal etwas störrische Mikro lässt sich beidseitig anstecken, wobei es dann mit dem etwaigen Klinkenkabel die Plätze tauscht – das Cage erkennt automatisch was wo im Einsatz ist.

Leider ist das USB-Kabel wirklich sehr robust ummantelt – etwas das definitiv als Qualitätsmerkmal gelten will, im Alltag aber dafür sorgt, dass es durch die Bank bei der Nutzung leicht auf oder gegen die Schulter drückt. Des weiteren bietet das Kabel viel Reibungsfläche bis zum anderen Ende am PC, was nicht nur bei Bewegungen und Berührungen mit der Kleidung oder dem Schreibtisch störende Zusatzgeräusche liefert. Eine zweite, anders und vor allem dünner fakturierte Verbindung als Wahl für die jeweiligen Vorlieben, wäre hier ein richtiger Gamechanger gewesen. Nichts, was Teufel nicht noch nachliefern könnte. Time will tell.

Fazit

Mit dem Teufel Cage ist dem Berliner Akustik-Giganten ein mehr als erstaunliches Debüt gelungen. Ohne viel Erfahrung mit vorherigen Modellen oder anderer Gaming-Peripherie, beweist das Cage die Leidenschaft des Unternehmens und vor allem auch die Bereitschaft Neues zu wagen.

Die Klangqualität und Verarbeitung des Headsets ist par excellance und nach einigen persönlichen Anpassungen per Software fühlt sich hier jeder Spieler wohl. Der Lauscher ist dabei derart robust, dass man ihm die vergangene 16-Tagesreise quer durch Amerika nicht im geringsten ansieht.

Leider ist Robustheit aber im Falle des USB-Verbindungskabels erfahrungsgemäß eher ein negatives Schlagwort, da dieses viel zu oft bei der Nutzung auf sich aufmerksam macht. Auch die Software bietet, obgleich ihres soliden Umfangs und der hilfreichen wie amüsanten* Funktionen, kaum Komfort und Übersicht. Sich hier zurecht zu finden benötigt einige Geduld und Trial & Error. Beides sind auch fast die einzigen Kritikpunkte eines ansonsten wiedermal großartigen Produkts aus dem Hause Teufel. Beides ließe sich nachträglich aber auch bessern – wofür ich die Daumen drücke.

*Magic Voice – wer wollte nicht schon immer mal wie Donald Duck oder Sauron klingen?

Teufel Cage

169,99€
Teufel Cage
8.9

Technik

9.2/10

Verarbeitung

9.8/10

Komfort

8.0/10

Umfang

8.5/10

Positiv

  • Herausragend robuste Verarbeitung
  • Kristallklare Klangdynamik
  • Kraftvolle 40mm Treiber
  • Optional, virtueller 7.1 Surround-Sound

Negativ

  • Zu "stabiles" USB-Kabel
  • Undeutliche Software
  • (unspäktakuläres) Mikrofon etwas zu lang

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