Test: Stormland – endlich VR in AAA-Qualität?

Der Entwickler Insomniac Games hat bisher nur Spiele für die Playstation Plattform von Sony entwickelt. Mit Stormland wagt sich der Entwickler nun nicht nur an ein PC Game, sondern direkt in das Virtual Reality Milieu. Ob es dem relativ unbekannten Entwicklerstudio gelingt mit ihrem VR Debüt einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen?

Einsames Erwachen…

Stormland begrüßt neue Spieler, mit einer computergenerierten Stimme, die ein System check durchführt. Es folgen Erinnerungsbruchstücke einer unbekannten Welt voller Inseln, getrennt durch ein Meer aus Wolken. Kurz darauf startet das Tutorial für die Bewegungen, das den Spieler so ungewollt aus der Betrachtung dieser Welt herauszieht. In einem beschädigten Androiden-Körper erwacht der Spieler und um diesen zu reparieren muss er zurück ins Basislager gelangen. Auf dem Weg dorthin werfen Flashbacks aus der Vergangenheit noch mehr Fragen auf, als ohnehin schon bestehen: Wo bin ich? Wer bin ich? Was bin ich? Was ist passiert? Wer ist dieser andere Android mit der Blume auf der Brust?

 

In den Visionen sehen wir diese Welt in einem anderen Licht, voller Leben und Farbe. Das steht im starken Kontrast zu dem Ort wo wir uns im Moment befinden, die Bäume sind karg, ohne Blätter, und ganz dem Namen nach ist ein Sturm im Anmarsch. Betrachtet man die Welt genauer, fallen die vielen Überbleibsel der Technologie auf, die in diesem Lande verstreut sind. Radarschüsseln oder Gebäudeteile blockieren den Weg und man sehnt sich sofort diese farbenfrohe Welt aus den Visionen zurück, welche nicht so verfallen aussieht. Dieses Gefühl für die Welt ist der sehr detailliert ausgearbeiteten Umgebung zu verdanken. Obwohl man im Wohnzimmer steht spürt man den Wind des Sturmes und die Einsamkeit während man sich den Weg zum Basislager durch eine kleine Einführung arbeitet, in der man lernt wie man mit Items oder der Umwelt interagiert. Dieses Gefühl lässt nicht nach und ist großer Pluspunkt für Stormland.

 

Es gibt verschiedene Welten, die alle, obwohl ähnlich, auch einige Unterschiede in der Struktur aufweisen. Mal sind die Inseln eher staubig und steinig, ein anderes Mal fühlt man sich als wäre man in einer Tundra mit Nadelwald, aber ohne Schnee. Insgesamt sorgt dieses Konzept auf der einen Seite dafür, dass man sich orientieren kann in welchem Bereich man gerade ist, auf der anderen Seite ist die Abwechslung durchaus angenehm und die Welt wird nicht langweilig. Die einzelnen Gebiete sind groß genug um einen Kompass mit Karte zu rechtfertigen, aber klein genug, dass man sie ohne zu lange und langweilige Reisezeiten durchqueren kann. Und von langweilig kann man bei der Fortbewegung zwischen den Inseln nicht reden: Schnell wie der Wind surfen wir auf den Wolkenwellen von Booster zu Booster, welcher uns immer schneller werden lässt. Einfach ein unbeschreibliches Erlebnis, das wohl den ein oder anderen empfindlichen User an seine Grenzen treiben wird.

Storytime – Gelungen, aber…

 

Im Basislager angekommen geht es mit der Story weiter. Wir bekommen einen Kompass an die Hand und ein Menü, bei dem wir unsere Ziele einsehen können. Insgesamt kann man der Geschichte rund um unseren Androiden und die Welt der Stormlands eine gute Abschlussnote geben. Die Geschichte ist packend und greift auch in Themen, welche nach dem Spielen den ein oder anderen Gedanken hinterlassen. „Was macht uns zu Menschen?“ ist eine der Fragen der wir uns nach dem Playthrough gestellt hatten, doch eine Antwort bleibt uns Stormland, wohl absichtlich, schuldig. Was uns dabei besonders gefallen hat, war der spürbare Fortschritt, nicht nur was das Upgraden von verschiedenen Waffen angeht, aber auch die Verbesserung des Androiden-Körpers und dem Freischalten immer neuer Fähigkeiten, wie Klettern, Luftsprünge beim Surfen oder anderen durchaus brauchbaren Alternativen.

Leider hat die Story nicht nur ihre guten Seiten. Teilweise ist das Geschehen sehr geführt, an einer Stelle sind wir sogar beinahe stecken geblieben, weil wir in vorherigen Questschritten nicht genau das getan haben was vorgegeben war, sondern selbstständig Ressourcen ausgegeben haben, welche später benötigt worden sind. Glücklicherweise hatten wir für den späteren Questschritt noch genug Materialien übrig, dennoch gibt es beispielsweise auf Reddit mehrere Threads in denen diskutiert wird wie man verhindert neu starten zu müssen. Die Lösung involviert leider eine ganze Menge Grind und führt schnell zu Frustration. Weiterhin wird nicht das ganze Potential der erlangten Fähigkeiten ausgenutzt. So bekommen wir die Fähigkeit etwas mit Strom zu versorgen, was aber nur einmal genutzt wird und danach nicht mehr. Eine gute Offensivfähigkeit bleibt es aber weiterhin.

Nach dem Sturm: Stormlands Endgame

Wäre nach der Story Schluss, so könnte man diskutieren ob der für Stormland aufgerufene Preis von rund 40€ gerechtfertigt ist. Dagegen bietet das Spiel nicht nur eine weiterhin offen begehbare Welt, sondern auch einige zu erreichende Ziele. Das Endgame gestaltet sich in zeitbegrenzten Phasen, bei denen man gegen den Gegner, die Tempest, vorgehen muss. Schafft man diese „Runde“, so werden die Gegner stärker und das Spiel schwieriger. Diese Art Endgame ist relativ grindheavy und Geschmackssache.

Wir hoffen, dass Insomniac Games in nächster Zukunft neue Inhalte nachliefern kann. Laut eines neuen Videos, dem sogenannten “Sypher Mission Log”, sind wohl wöchentlich rotierende Missionen und gänzlich neue Inhalte auf dem Weg. Von welchem Umfang wir hier reden, muss sich zeigen.

Fazit

Als VR-Debüt des Entwicklers Insomniac Games kann sich Stormland echt sehen lassen. Die Grafik ist gut, die Welt noch besser und die Story greift an einem Punkt an, den Wohl eine breite Menge an Menschen interessiert. Das Durchstreifen der Welt ist dem Entwickler wirklich sehr gelungen. Im Kontrast dazu steht die Geschichte des Spiels, welche den Spieler geradeheraus durch das Spiel führt und noch den ein oder anderen Schliff gebraucht hätte, sowie gerne etwas länger hätte sein können.

Zu technischen Schwierigkeiten oder Abstürzen kam es trotz limitierter Gaming-Hardware nicht und wir freuen uns bereits auf einen zweiten Teil, beziehungsweise neue Inhalte!

Stormland

39,99€
8.6

Audiovisuelle Qualität

9.5/10

Inhalt/Umfang

8.0/10

Gameplay

9.0/10

VR-Komfort

8.0/10

Positiv

  • Sehr schöne Welt
  • Spürbarer Fortschritt
  • Interessantes Gameplay-Konzept
  • Keine technischen Probleme

Negativ

  • Story sehr geführt
  • Handlung sehr kurz

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