Test: Stifled

stifled

Spiele sind heutzutage noch viel experimentierfreudiger als früher. Die Geschichten, die erzählt werden, bleiben schon längst nicht mehr in dem normalen Rahmen eines “Die Prinzessin muss gerettet werden!”-Szenarios. Nein. Immer öfter werden kleinere oder größere Probleme angesprochen, seien es politische Themen, psychische Krankheiten oder verschiedene Interpretationen von Religionen.

So ging es auch dem Mitte diesen Jahres erschienen Perception welches sich durch ein ganz eigenes Setting von anderen Spielen unterscheidete – man spielte nämlich ein blindes Mädchen. Als Spieler musste man sich immer wieder mittels Steinen oder ähnlichen akustischen Signalen orientieren, während man versuchte komischen Gestalten auszuweichen.

Euch kommt dieses Konzept bekannt vor? Nun, von Stifled zu Perception ist kein großer Unterschied.

Déja Vu

Auch in Stifled spielen wir mit der Einschränkung des Sichtfelds. Die Grafik gibt sich hier nicht viel, da wir lediglich ein schwarzes Feld sehen welches ab und an durch Umrisse anderer Objekte eingeschränkt wird. Ein fast schon monochromatischer Stil, der sich fast durch das komplette Spiel zieht.

Warum nur fast? Abseits der kleinen Schwarz/Weiß/Rot-Passagen kommen wir auch noch in andere Level-Bereiche, die jedoch in einer ganz normalen 3D-Optik dargestellt sind. Und hier wird auch ganz schnell klar, warum sich Stifled für diesen simplen Grafikstil entschieden hat – andersweitig sieht es nämlich eher aus wie ein Titel aus der frühen PS2-Ära. Natürlich ist das nicht so schlimm, da nur die seltenen Momente des Spiels hier stattfinden. Zurückführen lässt sich dies vermutlich auf schwache Hardware-Leistung der PSVR. Selbst in Kombination mit einer PS4 Pro waren wir negativ von der Optik überrascht.

Konfrontation mit der Angst

Aber kommen wir zum eigentlichen Merkmal des Spiels. Stifled ist in erster Linie ein Horror-Thriller, der sich mit ein Paar Knobel-Einlagen über die Spielzeit von etwa 4 Stunden erstreckt. Entwickler Gattai-Games hat hier jedoch im Vergleich zur Konkurrenz von Perception einen großen Vorteil was das Gameplay angeht – zumindest augenscheinlich. Denn anstatt sich nur mit der klassischen Steuerung voran zu bewegen und die Herausforderung der Welt zu meistern, wird der Spieler dazu gezwungen mit seiner eigenen Stimme und das Mikrofon in die Welt einzugreifen.

Hier heißt es also nicht einfach einen Stein werfen – wobei das auch funktionieren würde – sondern leises Flüstern, Schreien oder simple Stille ist gefragt. Denn je nachdem, wie ihr euch verhaltet reagiert auch das Spiel darauf. Die größte Bedrohung in der Welt von Stifled sind die zu Beginn nicht näher beschriebenen Monster. Wer hier nicht leise genug ist und sich um diese Kreationen herum zu schleichen, der sieht das Gras schnell von der anderen Seite. Doch, wie gruselig ist Stifled wirklich?

Zwischen Panik und plötzlichen Lachanfall

Hier kommt es ganz auf euch als Spieler an. Der Fakt, dass ihr mit einer Angst konfrontiert werdet und dennoch nach außen gehen müsst, ist ein interessantes Konzept da es gegen den natürlichen Instinkt geht. Normalerweise – wie wir es von Titeln wie Outlast kennen – gilt es bei einer Konfrontation entweder zu fliehen oder sich zu verstecken. In einem Resident Evil kann man sich dann vielleicht noch zur Wehr setzen, was hier jedoch völlig außer Frage steht. Bei Stifled wisst ihr, dass da etwas ist. Aber ihr müsst dennoch Laute von euch geben, da es ansonsten keinen sichtbaren Weg gibt, der sich gehen lässt. In der Theorie funktioniert das alles ganz gut. Auch bei mir, konnte das Feature zu Beginn zünden. Doch irgendwann wurde es lächerlich.

Je nachdem, wie ernst man das Spiel nimmt und je mehr man sich auf die Situation einlässt, desto besser funktioniert es auch logischerweise. Auf der anderen Seite merkt man sehr schnell, dass sich gewisse Sachen einfach wahnsinnig schnell abnutzen. Zuerst geht man weg vom Flüstern zum reden, dann zum Rufen, bis man irgendwann komische Geräusche von sich gibt die einen selbst entspannen und die Situation ins lächerliche ziehen. Man beginnt zu Singen oder komische Monologe zu führen. So etwas reißt die Stimmung und Atmosphäre natürlich in den Keller, was sich bedauerlicherweise kaum vermeiden lässt. Ob bei euch jedoch das gleiche auftritt, dass könnt nur ihr entscheiden. Immerhin kennt ihr euch noch am besten.

Leises Nachhorchen

Aber was kann uns Stifled abseits dieser besonderen Features noch bieten? Die Antwort – nicht besonders viel. Die Geschichte wird schnell vergessen, da auch kaum eine richtige Narrative besteht. Wir finden ab und ein Paar Hinweise, jedoch tappt man den Großteil der Zeit – Vorsicht, Wortspiel – im dunklen. Die akustische Untermalung ist aufgrund der eigentlichen Spielmechanik nicht verwunderlich blass und daher auch kaum vorhanden. Alles andere würde das Gameplay auch nur stören.

Man sollte eventuell noch erwähnen, dass sich der Titel auch komplett in 2D spielen lässt. Jedoch wäre das angesichts des unglaublichen Mehrwerts, welchen man durch die VR-Erfahrung bekommt, eher nicht zu empfehlen. Wenn wir schon von der VR-Erfahrung sprechen, während unseres Tests trat keine Motion Sickness oder ähnliches auf, obwohl wir das Spiel in einer Sitzung durchgespielt haben. Immerhin treten auch keine schnellen Bewegungen oder ähnliches auf, daher auch hier nochmal ein Pluspunkt.

Fazit

Am Ende des Tages bleibt Stifled leider wie die meisten VR-Spiele an einem großen Problem hängen – der Durchschnittlichkeit. Das Konzept an sich macht Spaß und wir waren auch nicht unzufrieden, jedoch gibt es auch so viele andere Spiele die ihr eventuell eher spielen könntet. Man ist zwar zu dem geworden was man sein wollte, aber auch nicht mehr. Mit dem Gimmick konnte man uns zwar für die kurzen vier Stunden unterhalten, ob diese jedoch auch ganze 20€ Wert sind, bleibt eher fragwürdig.

Stifled

19,99
Stifled
6.8

Grafik & Sound

7/10

Umfang

6/10

Gameplay

8/10

Story

6/10

VR-Komfort

8/10

Positiv

  • Tolles Gameplay
  • "Konfrontation mit der Angst"

Negativ

  • schwache Geschichte
  • kaum andere Features

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