Test: Steelseries Sentry

Für viele werden Eyetracker noch ein leerer Begriff sein, manche haben aber sicher schon mal von der Wunderleiste unterm Monitor gehört. Die Technik steckt zwar noch in den Kinderschuhen, doch Steelseries will mit Sentry die Masse begeistern. Vor allem eSport-Profis sollen auf lange Sicht von der Möglichkeit, die Augenbewegungen zu analysieren, profitieren. Doch auch wir Ottonormal-Spieler können den Steelseries Sentry voll ausschöpfen. In welchem Umfang und wie gut das im Alltag klappt, erfahrt ihr in unserem Test.

Die Macht des (Augen)Blickes

Lange wurden die wichtigsten Organe dessteelseries-sentry-eye-tracker-2 Menschen nur minimal in Sachen Gaming und Technik berücksichtigt: Die Rede ist von unseren Augen. Wo wir hinsehen und was uns zuweilen am wichtigsten erscheint, blieb stets außenvor und im besten Fall wurden lediglich Kopfbewegungen nachvollzogen. So ist es etwa durch headtracking-Kits möglich in Spielen wie ArmA oder Elite Dangerous (natürlich!) eure Kopfbewegungen in die virtuelle Welt zu übertragen. Doch das Ergebnis war bei längeren Sessions nie sonderlich zufriedenstellend, gar sogar anstrengend.

Mit dem Sentry Eyetracker will Steelseries in Zusammenarbeit mit dem wissenschaftlichen Tech-Startup Tobii nun Abhilfe schaffen und sorgte bei unseren internen Vorführung bei so manchem für einen unglaublichen Überraschungseffekt: Der Computer weiß, wo wir hinsehen – ganz ohne hierbei unseren Kopf zu rühren. Mit Eyetracking eröfnen sich ganz neue Möglichkeiten in der Gaming-Szene.

Drei Laserobjektive an der schmalen Leiste, welche am (beziehungsweise in unserem Fall unter dem) Monitor angebracht wird, erfassen ziemlich genau, in welche Richtung oder Bereich auf dem Bildschirm wir gerade blicken. Die dementsprechend agierende Softwareschnittstelle setzt das Ganze in Aktionen in Spielen oder der Windowsoberfläche um. Es fühlt sich prompt intuitiv, wenn auch anfangs künstlich, an.

Die Software und ihre Einsatzgebiete

softwaretobiiIn der Theorie soll der Sentry Eyetracker durch beispielsweise Steelseries‘ hauseigener Engine 3 Software unterstütz werden. Hierbei haben wir die Möglichkeit, unseren Blick als Lichtkegel zu erfassen und so unseren Stream-Zuschauern unseren Fokus in Spielen zu zeigen. Gerade in kompetitiven Spielen sorgt das für einen spannenden Effekt.

Wo schaut der Profi-Spieler gerade auf de_dust2 hin? Wie konnte er bemerken, dass der CT gerade aus der linken Ecke geschlichen kam? Auf was konzentriert sich der Spieler gerade am meisten in der spannenden Runde DotA2? All diese Fragen werden nun mit leichter hand beantwortet. Sogar auf visuell präzise Weise.

Doch dient Sentry nicht nur zu Demonstrationszwecken oder zur Verbesserung der eigenen Präzision; der Weiteren schafft „EyeX“ und auch „Infinite Screen“ aus dem Hause Tobii noch mehr Raum für neue Möglichkeiten. Wie wir es aus der Vergangenheit von Head-Trackern oder gar Head-Mounted-Displays wie der HTC Vive kennen, ist das authentische Übertragen unseres Blickfelds in Spielen ein wahrer Gamechanger.

I can see you!

Die Möglichkeit, unser Blickfeld beispielsweise im Cockpit unserer Asp Explorer in Elite Dangerous präzise per Augenerfassung zu lenken, erweitert den piloten-Horizont ungemein. Fixieren wir mit unseren Augen beim Vorbeiflug zum Beispiel einen Asteroiden, erkennt dies der Sentry Eyetracker sofort und der Fokus bleibt ingame erhalten. Das Blickfeld wandert mit dem Asteroiden mit – völlig unabhängig vom eigentlichen Cockpit oder unseren Flugmanövern. Wahnsinn! Wie schon erwähnt,sind wir diese Möglichkeit nur auf umständlicheren Wegen gewohnt.

Auch in taktischen Geplänkeln in ArmA3, oder sogar dem tödlich spannenden DayZ, bietet uns der Eyetracker dank der „Infinite Screen Extension“ die Möglichkeit über unsere Schulter zu schauen und mehr! Abgesehen von Roomscale und der Dreidimensionalität ist dies das meines Erachtens nach nützlichste Feature von VR-Brillen. Nun, dank Steelseries Sentry, ganz komfortabel quasi per Wimpernschlag.

Ganz besonders cool: In Spielen mit nativer20161011122030_1 Eyetracker-Unterstützung, wie beispielsweise dem neuen (Anm.d.Red.: … und tollen) Deus Ex: Mankind Divided, haben wir sogar die Möglichkeit ganze Menüs oder Fähigkeiten des Protagonisten mit unserem Blick zu steuern. Die Anwahl von Gegenständen, das erweitern des Sichtfelds und mehr runden das Gesamtbild genial ab. Eine (bisher jedoch leider überschaubare) Liste der Spiele und Apps mit nativem Eyetracker-Support findet sich auf der offiziellen Tobii-Homepage.

Ergänzend müssen wir auf alle Fälle erwähnen, dass Tobii mit EyeX zudem die (zumindest teilweise) Steuerung eures Windows 10-Betriebssystems zulässt. Die komfortable Auswahl von Tabs, das Öffnen von Programmen und das innovative Windows Hello, also die Anmeldung per Augenerkennung, hauchen euch ganz leise „Aye aye Cpt Kirk!“ ins Ohr. Das klappt in der Praxis sogar so gut, dass zumindest einer von uns darauf nichtmehr verzichten mag.

Hui und Pfui am/unterm Monitor

Nicht alles ist Gold was glänzt, so ist der größte Minuspunkt tatsächlich rein nebensächlicher Natur. Und doch nicht außer Acht zu lassen: Der Sentry Eyetracker ist eine schmale, simple Leiste, welche am unteren Rand des Monitors angebracht wird. Hierzu werden zwei Magnetstreifen mitgeliefert, welche sich recht komfortabel am Bildschirm anbringen lassen. Die Gegenseite der Eyetracker-Leister ist ebenfalls magnetisch, womit sich diese leicht ab- und anbringen lässt.

steelseries-sentry-eye-tracker-1-930x573Wie viele von euch wissen, arbeiten wir jedoch unter Anderem mit einem 21:9 curved Monitor, welcher in der Praxis just nicht kompatibel zur Bauweise des Sentrys ist. Zwar ließen sich die Magnetstreifen anbringen, doch hielt die Krümmung des Screens den Eyetracker hiervon leider ab. Ein zweiter, dickerer Befestigungsstreifen oder eine Alternative wäre hierbei schön gewesen. Vor allem jetzt, da gebogene Bildschirme immer mehr im Kommen sind. Für den Test konnten wir uns per UHU patafix Knetmasse zwar Abhilfe schafen; eine zuverlässigere Lösung wäre hierbei aber angenehmer.

Generell tut sich der Eyetracker auf einem 21:9 Monitor recht schwer, stets präzise die Pupillen-Position auszumachen. Ein mehrmaliges Einrichten per Tobii EyeY Programm schafft hier nur minimal Abhilfe; was aber per justieren der jeweiligen Deadzones und anderen Einstellungen leicht ausbügeln lässt.

Das Stichwort „Tobii EyeX“ passt hier aber; so ist es mühselig sich für die vollumfängliche Verwendung der Wunderleiste mehrerer Programme bedienen zu müssen. Für das Streaming-Overlay und Spielestatistiken greifen wir zwar gewohnt auf die Steelseries Engine 3 zurück – doch für alles andere inklusiver der Einrichtung, Feinjustierung und Co müssen wir EyeX aus dem Hause Tobii starten. Für die Möglichkeit, den Tracker in Spielen wie Elite Dangerous zu verwenden, muss wiederum die „Infinite Screen Extension“ separat installiert und gestartet werden. Softwarekomfort geht anders; der hiesige Arbeitsspeicher würde uns danken.

Und doch faszinierend!

Unterm Strich weiß uns Steelseries mit seinem Sentry Eyetracker stets zu begeistern. Die Möglichkeiten in Elite, ArmA und Co sind genial und Titel wie Deus Ex setzen da noch einen oben drauf! Technisch erste Sahne, liefert die Sentry getaufte Leiste präzise unseren Blickfeld, egal ob an das jeweilige Spiel oder unsere Twitch-Zuschauer. Kompetitives Gaming wird so noch besser und bietet wertvolle Möglichkeiten seine Fähigkeiten zu verbessern.

Leider wird das Gesamtbild durch die Notwendigkeit multipler Hintergrunddienste, das Wegfallen von Support für Curved-Displays und problematische 21:9 Auflösungen doch recht getrübt.. Im Großen und Ganzen lohnt sich jedoch gerade für Spieler der genannten Titel oder eSport-Profis die Anschaffung wirklich sehr. Gerade auch die Implementierung ins Windows-Betriebssystem zur Steuerung und Anmeldung ist nochmal ein weiterer Schritt in die Zukunft. Noch nie waren Spiele (und das OS) intuitiver zu handhaben – ohne etwa gleich eine VR-Brille zu tragen.


Vielen herzlichen Dank an Steelseries für die Bereitstellung des Eyetrackers.

Steelseries Sentry

kurze Zeit im Angebot: €139,99
Steelseries Sentry
8.75

Technik

10/10

    Verarbeitung

    9/10

      Komfort

      8/10

        Software

        9/10

          Positiv

          • Leicht einzurichten
          • Viele Einsatzmöglichkeiten
          • Gute Drittanbietersoftware
          • VR-like Tracking ohne HMD
          • Windows Hello

          Negativ

          • Notwendigkeit vieler Progrmme
          • Kein Support für Curved-Displays
          • Probleme mit 21:9 Auflösungen

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