Test: Steelseries Rival 700

Wie neulich angekündigt, haben wir uns die Rival 700 aus dem dänischen Hause Steelseries für euch in den letzten Tagen genauer angesehen und vorweg: Macht euch auf ein breites Grinsen gefasst! Obgleich ein bitterer Nachgeschmack bleibt, der auf lange Sicht verkraftbar ist. Doch dazu später mehr.

Ikarus‘ Wunsch, die Sonne zu erreichen

Mit der Rival 700 will man wohl keine Wünsche offen lassen: Der beste, derzeit auf dem Markt verfügbare (austauschbare) optische Sensor, unglaublich präzise bedienbare Tasten… Ein austauschbares Kabel, tauschbare Cover, RGB-Beleuchtung und Nameplates sollen jeden individuell ansprechen und zufrieden stellen. Hinzu gesellen sich DIE beiden Gimmicks schlechthin – dem taktischen Feedback durch einen gut platzierten Vibrationsmotor sowie einem eigenen OLED-Display.

dots_full_bgLetztere beiden sind zwar nicht die einzigen Highlights, die diese Maus deutlich von der Masse abheben, doch Steelseries wirbt eingangs ganz besonders mit ihnen. Klar ist: Noch kein Nager kommt mit einem kleinen Bruder des altbekannten Force Feedbacks und einem eingebauten Bildschirm daher. Daneben wirken die hochwertige Verarbeitung, wunderbarer Grip und der großartige Sensor wie ein freundliches Lächeln welches „wir lieben die Community“ aussagt.

„Count your headshots.“ und „Stay up to the minute on ingame-stats[…]“ klingen nach großen Versprechen; doch wie sieht der Alltag mit der Rival 700 aus?

Tolles Gefühl, klasse Präzision

Wir müssen uns eingestehen: Eine wertigere Maus sucht man tatsächlich vergebens. Seit die Razer Mamba damals einschlug und nicht nur sexy, sondern auch unglaublich verarbeitet daher kam, gab es wenig vergleichbares. Steelseries‘ Rival 700 bietet neben eiinem (natürlich) ergonomischen Design mehrere unterschiedliche Materialien als Beschichtung. Neben normalem Plastik bilden eine matte, gummiartige Beschichtung der Haupttasten und einer genoppten Antirutsch-Oberfläche ein angenehmes Mosaik. Optisch bleiben dank der RGB-Beleuchtung des eingelassenen Steelseries-Logos und Mausrads keine Fragen offen.

Beide Haupttasten, die vier frei programmierbaren Zusatztasten sowie das Mausrad lassen sich präzise betätigen und geben dabei sanfte und doch deutliche Geräusche von sich. Die Knopf-Platzierung ist, abseits einer der Makrotasten für den Daumen, wirklich durchdacht und bequem zu erreichen.rival700

Die große Schwester der neuen Rival 500 kommt mit dem optischen Pixart 3360 Sensor auf euren Tisch, was in dem Sektor an Präzision kaum antastbar ist. Da Geschmäcker jedoch verschieden sind und einige dennoch auf Laser-Sensoren schwören, bietet Steelseries optional einen Pixart 9800 mit dem Aufpreis von knapp 30 Euro an. Wie dem auch sei – uns reichten im Test die maximal 16.000 CPI vollkommen aus. Keine Frage ein Wert, der im Alltag ohnehin kaum zu Stande kommt.

Ein komfortables Wechseln zwischen verschiedenen CPI-Werten ist über Steelseries‘ hauseigener „Engine 3“ und einer Makrotaste am Maus handelsüblich machbar. Hier bleiben keine Fragen offen. Der Übergang zwischen einzelnen Präzisions-Settings und die Genauigkeit auf matten Oberflächen wie beispielsweise Holz oder einem brauchbaren Mauspad suchen vergeblich Ihresgleichen. Wir sind begeistert.

PS: Sowohl Claw-, Palm-, als auch Fingertip-Spieler werden mit der Rival 700 zufrieden sein. Besser gehts kaum! Einzig die Platzierung zwei orangener Pins unter dem Daumen irritiert.

Steel Series neue Engine 3

Steelseries‘ Programmierungs-Software, welche nicht nur für die Rival 700 sondern auch andere Geräte aus dem Hause bedient (wie etwa den Sentry Eyetracker – dazu in einigen Tagen mehr!), hört auf den Namen Engine 3 (kurz und nachfolgend: SSE3). Ähnlich wie das Konzept von Razer Synapse bietet SSE3 eine schier unendliche Zahl an Optimierungs- und Personalisierungsmöglichkeiten. Ihr wollt lieber 1.000 statt der standardmäßigen 800 CPI als kleine Stufe hinterlegt? Kein Problem! Auch die 16.8 Millionen Farben starke RGB-Beleuchtung und sämtliche Funktionstasten lassen sich an euren Geschmack und Spielstil anpassen.

rival700_2Hierbei könnt ihr angenehm auf Profile zurückgreifen, welche sich wiederum an Spiele aus eurer (leider von Hand einzupflegenden) Bibliothek koppeln lassen. Hi-Rez‘ neuer, kompetitiver Heldenshooter Paladins weiß euch mit seinem blauen Setting zu begeistern? Warum soll die Rival 700 nicht also in der gleichen Farbe strahlen, während ihr eure Feinde nieder mäht?

Auch Makros und CPI-Werte lassen sich mit etwas Feintuning und gewisser Zeitinvestition individuell an alle Titel anpassen. SSE3 merkt automatisch, welches Game ihr daddelt und reagiert mit dem entsprechenden, von euch konfigurierten Profil. Hat da jemand „Mensch, das ist doch schon lange nichtsmehr Neues“ gesagt? Keine Frage; viele der Anpassungsmöglichkeiten sind schon bei vielen Herstellern heutiger Peripherie Standard – es ist jedoch schön zu sehen, wie sich diese Möglichkeiten immer weiter entwickeln und in der Branche gut etablieren.

Eine integrierte Cloudfunktion sorgt überdies für Mobilität eurer eigenen Konfigurationen und der Profile; das automatische Updaten sämtlicher Firmwares rundet das Gesamtbild ab. All das findet sich in erstaunlich übersichtlichen und aufgeräumten Menüs wieder.

Die (etwas blassen) Highlights der Maus

Kommen wir auf die innovativen Hauptargumente (und leider auch die größten Schwächen) zu sprechen, mit denen die Rival 700 beworben wird: Das haptische Feedback durch Vibration im hinteren Teil der Maus, sowie der in der Maus-Branche bisher kaum gesehene OLED-Schirm.

Beides wird durch die Hersteller-Software angesteuert und kann in gewisser Weise frei konfiguriert werden. Das „GameSense“ genannte System hinter der Steelseries Engine 3 für diese Spielerei soll anhand des derzeitig ausgeführten Spiels euch Zugriff auf vorprogrammierte Profile geben. Entsprechend der Ingame-Tätigkeiten, beziehungsweise entsprechende Situationen, zeigt euch beispielsweise das OLED Statistiken an.

Sofern unterstützt, hilft bei der Erkennung passender Momente für Skills (etwa durch berücksichtigte Cooldowns) oder als Benachrichtigung der eingebaute Vibrationsmotor. Durch haptisches Feedback sollt ihr genau wissen, wann ihr entsprechend handeln könnt oder ob der letzte Treffer zum Beispiel ein Kopfschuss war. Das klingt in der Theorie bahnbrechend und ist auch eine unglaublich geniale Idee.

In der Praxis hat sich jedoch heraus gestellt,rival700_3 wie unwichtig etwa das mit 10 FPS agierende Display unter dem linken Zeigefinger ist. Bei einem hitzigen gefecht achten wir eher auf das Spielgeschehen auf dem (idealerweise mindestens mit 1920×1080 auflösenden) Bildschirm, als auf die nett gemeinten GIFs. Das OLED Display dient unserer Meinung nach in erster Linie als personalisierendes Alleinstellungsmerkmal – wenn wir etwa das vorprogrammierte Steelseries-Logo mit unserer Lieblings-Meme oder dem VRFreaks-Logo austauschen.

Das haptische Feedback hingegen ließ sich in unserem Test leider oftmals gar nicht erst blicken, was uns die größte Schwäche der ansonsten grandiosen Maus unterstreichen lässt: GameSense. Das Steuerungsprogramm, welches anhand eures derzeitigen Spiels RGB-Beleuchtung, haptisches Feedback und OLED-Display dynamisch und in Echtzeit anpassen will, kommt leider nur mit zwei brauchbaren Profilen daher: Jeweils eins für Counter-Strike: GO, Minecraft und DotA2.

Das ruckelnde Gefühl bei Kopfschüssen und Feedback bei Cooldowns unserer Fähigkeiten ist zwar in gewisser Hinsicht ein GameChanger… doch wer die genannten Titel nicht oder kaum spielt, schaut in gewisser Hinsicht in die Röhre. Zwar lassen sich (umständlich) per SSE3 und offener API eigene Profile basteln, doch scheinbar ist das Interesse der hiesigen Entwickler derart gering dass sich hier in absehbarer Zeit vermutlich nichts tun wird.

Die Möglichkeit (und daher unser Meinung nach Steelseries‘ größtes Versäumnis), das haptische Feedback generell als Vibrationsmöglichkeit bereitzustellen, wie wir es von hiesigen Controllern kennen, fällt leider komplett unter den Tisch. Schade.


Fazit

Mit der Rival 700 liefert Steelseries aus Dänemark wahlweise dank dem Pixart 3360 oder Pixart 9800 die derzeit mit Abstand präziseste Maus, die viele – leider jedoch nicht alle – Versprechen hält. Verarbeitung und Ergonomie können wirklich überzeugen und auch der Lieferumfang wie beispielsweise die zwei austauschbaren Kabel unterschiedlicher Länge und Materials sind nicht von schlechten Eltern.

Der vielerorts angepriesene Game-Changer mit dem passenden Namen GameSense, welcher das ansonsten coole OLED-Display und das haptische Vibrations-Feedback füttert, spuckt dem tollen Nager leider in die Suppe. Mit nur (derzeit) drei offiziell unterstützen Spielen (abseits eigener Konfigurationen) bleibt die grandiose Idee in vieler Hinsicht auf der Strecke.

Wenn es Steelseries noch schaffen sollte, mehr Entwickler ins Boot zu holen und uns so beispielsweise mit GameSense-Profilen für Lieblinge wie Elite Dangerous, Overwatch und Co versorgt, sind die beworbenen Hauptmerkmale der Maus auch endlich angekommen. Nichtsdestotrotz ist die Rival 700 eine unfassbar präzise und gut verarbeitete Maus. Auf langer Sicht können wir uns kaum einen Grund für eine Peripherie-Ablösung vorstellen und für den Preis von aufgerundet 110 Euro bekommt man viel geboten.

Wir werden sehen, was die Zukunft und Konkurrenz für die Rival 700 bereit hält. Es wäre alles so perfekt, wenn da nicht GameSense wäre. So bleibt die Maus „lediglich“ sehr gut.


Vielen herzlichen Dank an Steelseries und Freaks4u Gaming für die Bereitstellung des Testmusters!

Steelseries Rival 700

ab 109,99 €
Steelseries Rival 700
82

Technik

10/10

    Verarbeitung

    9/10

      Komfort

      9/10

        Software

        6/10

          Lieferumfang

          8/10

            Positiv

            • Tolle Verarbeitung
            • Bahnbrechender Sensor
            • Viele Anpassungsmöglichkeiten
            • OLED und haptisches Feedback...

            Negativ

            • ...welche quasi ungenutzt bleiben
            • (verschenktes) GameSense(-Potenzial)
            • fehlende Nutzung der Vibration

            One thought on “Test: Steelseries Rival 700

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