Test: Serious Sam VR: The Last Hope

Aus allen Richtungen stürmen Gegner auf uns zu; vorzugsweise schreiend und kopflos. Doch Moment – kopflos schreien? Geht denn das? Wer Croteams größte Werke kennt weiß: Ja, bei Serious F*cking Sam ist dies die Tagesordnung. Nach einigen Monaten hat sich bei mir endlich die Möglichkeit aufgetan, den Ur-Ableger in der virtuellen Realität ausgiebig zu testen.

Kugelhorden vs. Gegnerhorden

Serious Sam VR: The Last Hope war Croteams erster Versuch, das beliebte Kultfranchise auf die VR-Brille zu bringen. Getreu dem klassischen Thema “Kill em’ all, Mother*fcker” stellen wir uns auch in The Last Hope Hunderten und tausenden Gegnern, bis uns die Puste oder wahlweise Munition ausgeht. Doch nicht alles ist Gold, was glänzt (beziehungsweise vor Blut trieft), denn im Vergleich zu den eigentlichen Ablegern der Reihe bringt Serious Sam VR: The Last Hope keinerlei erkundbare Level mit sich.

Im Gegenteil: Als wäre der Markt nicht damals schon von sogenannten Wave-Shootern mehr als übersättigt genug, ist das Spiel eben genau jenes. Doch was macht es dann so besonders? Im Vergleich zu langatmigen, künstlich ernsten Titeln wie Arizona Sunshine oder komplexeren Gemütern, bietet The Last Hope eine ausgewogene, unkomplizierte Abwechslung. Wer nach einem langen, anstrengenden Arbeitstag das Hirn ausschalten und die Oculus Rift oder HTC Vive einschalten möchte, wird hier wunderbar bedient.

Das macht es keineswegs zu einem schlechten Spiel, oder nimmt einem die generelle Herausforderung – im Gegenteil: Masse statt Klasse KANN funktionieren.

Blutige Archäologie

Das Spiel kommt mit Dutzenden Level auf vier oder fünf Planeten daher. Die hauptsächliche Struktur und der Ablauf bleiben dabei abseits von etwaigen, nachgelieferten optionalen Modi immer gleich: Nach einer Ausrüstungswahl beziehungsweise -optimierung, steht der Spieler an einer festen Stelle in mehr oder weniger schön gestalteten Spielwelten. Und das ändert sich auch zu keinem Zeitpunkt des Spiels: Wie ein stationärer, fluchender Geschützturm gilt es stupide alle anrückenden Gegnerhorden abzuwehren.

Das mag schlechter klingen als es tatsächlich ist: Wo andere Wave-Shooter an der Abwechslung scheitern, dient Serious Sam VR: The Last Hope mit einer ordentlichen Palette an Kontrahenten. Von Krabblern, Skeletten, kuriosen Magma-Riesen bis hin zum eingangs erwähnten und höchst amüsanten, kopflosen Bomber ist so ziemlich alles verrückte dabei. Die Feinde dienen in erster Linie zwar nur als Kanonenfutter – im späteren Verlauf oder auf höherem Schwierigkeitsgrad hingegen müssen nicht nur Projektile und Bewegung der Monster abgepasst werden.

Nach erfolgreichem Überstehen einiger Wellen und dem besiegen eines oftmals haushohen Endgegners, ist die Mission auch bereits vorbei. Die Würze liegt hier in der Inszenierung und den Kommentaren unseres Protagonisten, Sam: “Bring it on!”, während zur passenden Rock-Titelmusik gefühlt 200 kopflose Bomber (schreiend!) aus allen Richtungen auf den Spieler zu rennen, schüchtert einen entweder ein oder lässt das Herz schneller schlagen.

“EVOLVE!”

Wer Croteam kennt, wird wissen was nun kommt: Meine Güte, der Inhalt! Selbst nach drei Monaten seit Release befeuert der Entwickler das Spiel noch mit Inhalten, die andere Wave-Shooter dieser Art ungemein vermissen. Skilltrees, Verbesserung aller Waffen, neuer Waffen, kooperative Modi, Arena-Kämpfe, Ranglisten und und…

Beim Blick auf den Preis von derzeit knapp siebenunddreißig Euro wird einem gerne schwindelig in Anbetracht des Genres. Doch was Croteam hier abliefert kann nur als Passion für die eigene Marke bezeichnet werden. So ganz nebenbei führte das Team klammheimlich eine komplett überarbeitete Engine ein, welche es sogar möglich macht, alle erworbenen Teile der Serious Sam VR Reihe gemeinsam zu starten und sich so von der Fülle an Inhalten und Blut förmlich überrollen zu lassen.

Erst frisch sind alle Kampagnen in die virtuelle Realität portiert worden; alle mit ihren eigenen Kniffen, Stories und Geheimnissen, welche sich in der offenen Spielwelt verbergen. Natürlich tut dies hier nichts zur Review, doch ist definitiv eine Erwähnung wert – denn Fanservice schreibt Croteam definitiv groß.

Fazit:

Neben optionalen Coop- sowie Arena-Modi und Ranglisten, bietet Serious Sam VR: The Last Hope augenscheinlich nicht viel. Doch nach und nach wird klar, dass auch in Virtual Reality die Devise “Weniger ist mehr” erfolgreich sein kann. Hierbei sind nicht Gegnermassen oder das umfangreiche Arsenal gemeint; vielmehr besticht das Spiel durch eine unfassbar simple Aufgabenstellung: Ballern. Und genau das macht das Spiel wirklich grandios.

Durch das sehr stationäre Gameplay tritt generell keinerlei Motion Sickness oder andere Beschwerden auf. Auf Dauer kann das Spiel zwar eintönig werden; sollte generell ohnehin eher in kurzen Schüben als Frustabbau dienen. Die Inszenierung ist zweckdienlich und doch rasant: Sams Sprüche, entsprechende Akustik und nicht jugendfreie Darstellung brausen im Mix zur imposanten Baller-Orgie auf. Nicht mehr, nicht weniger.

Wer sich letzteres vor Augen hält, alternativ aber auch auf die neusten VR-Portierungen der ursprünglichen Serious Sam Titel zurückgreifen kann wenn ihm nach “mehr” ist, darf gerne zugreifen. Die kooperativen Elemente des Spiels sind hingegen kein “Gamechanger” per se: Wie der Spieler, so werden die Gegnermassen schlicht multipliziert. Ist auch in Ordnung – denn alles was hier zählt ist die “You kill it, we grill it!”-Stimmung!

Serious Sam VR: The Last Hope

36,99€
Serious Sam VR: The Last Hope
8

Audiovisuelle Qualität

8.0/10

Inhalt / Umfang

6.0/10

Gameplay

9.0/10

VR-Komfort

9.0/10

Positiv

  • AAAAAAAAHHHH!
  • Grenzenlose Action
  • Großes Feind- und Waffenarsenal
  • Tolle Engine und Spiel-Modi

Negativ

  • "Noch ein Wave-Shooter"
  • Handlung mehr als belanglos
  • Menüstruktur leicht unübersichtlich
  • verhältnismäßig hoher Preis

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