Test: Sennheiser Game One

Im Jahre 1945 wurde in Hannover ein Akustik-Unternehmen ins Leben gerufen, das bis heute unumstrittenen einen Ruf höchster Klangqualität innehält. Im Zuge unserer GSX 1000 Rezension haben wir als Kombination für ausgewogenen Klang und unverfälschte Kompatibilität ein Game One erhalten – Sennheisers derzeitiger Headset-Flaggschiff. Zwar nicht das neuste auf dem Markt, teilt sich das Game One mit dem ähnlichen, stillen Bruder Game Zero schon lange die Spitze der Headset-Charts aus dem Hause Sennheiser. Ob das Game One etwas taugt und ob es gerade in Kombination mit dem GSX 1000 Verstärker des gleichen Herstellers noch mehr Qualitäten liefert, berichte ich euch nun.

Flauschigkeit und Buildquality ist Programm

Grundsätzlich kann man sich über die Verarbeitungsqualität des Game One in keinster Weise beschweren: Quasi Baugleich mit dem indirekten Vorgänger, dem PC360 aus dem Jahre 2011, kommt das Game One mit Ohrpolstern auf Memory-Schaum und einem hochklappbarem Mikrofon daher. Damals revolutionär, heute von vielen kopiert, macht gerade dieses Feature sehr viel Sinn: Ungleich zu den oftmals verwendeten Steuerungseinheiten am Kabel selbst, wurde das hochklappbare Mikrofon mittlerweile nicht zu Unrecht von vielen Herstellern kopiert. Im Alltag macht es kaum Arbeit, fällt bei der Nutzung direkt auf und hängt im Nichtgebrauch nicht unnötig im Blickfeld herum.

Die schon erwähnten Ohrenpolster bedienen sich einer offenen Bauweise: Viel Platz, damit die Ohren auch bei stundenlangen Sitzungen gut Atmen können. Gerade im Sommer sorgt das für weniger Schweiss und ungleich viel Komfort. Die Wahl des Memory-Foams als Material zeichnet sich außerdem gerade für mich als Brillenträger unglaublich aus: Auch bei langer Nutzungsdauer drücken die Polster nie auf die Brillenbügel oder auf meinen Kopf. Im Gegenteil: Nach mehrmaligem Verwenden passt sich das Material leicht der Kopfform, etc. an und sorgt so für mehr Bequemlichkeit. Auch im Winter sind die weichen Polster angenehm warm und kratzt nicht.

Ungleihc zum Game One, das etwa zeitgleich auf den Markt kam und Tonpuristen mit mehr Stille beim Spielen bedient, hält die (halb)offene Bauweise das Game One natürlich nicht viele Außengeräusche ab. Wenn ich bei der Nutzung von meiner Frau angesprochen werde, höre ich das stets – was natürlich je nach Situation sowohl Vor- als auch Nachteil sein kann. Etwas, das die akustische Wiedergabequalität jedoch keineswegs mindert.

 Luftig und doch präzise!

Das Sennheiser Game One ist, wie bereits eben angerissen, ein halboffener und hochwertiger HiFi-Kopfhörer. Ungleich zu all den boomenden USB-Vertretern kommt dieser hier mit einer analogen 3.5mm Klinke daher. Das kommt von der Verwandtschaft zum baugleichen Sennheiser HD598, welcher für sein ausgewogenes Frequenzspektrum bekannt ist. In dieser Hinsicht liefert auch das Game One entsprechende Ergebnisse: Der akustische Raum wirkt sehr umfangreich und weich – wird jedoch kristallklar und ausgewogen wiedergegeben.

Gerade in Kombination mit einer softwareseitigen Surround-Emulation oder dem hauseigenen Verstärker, dem GSX 1000,  profitiert das Headset von seinem großen Frequenzbereich: Die genauen Positionen der Gegner und etwaige Echos in der Spielwelt platziert das Game One trotz der eigentlich einfachen Stereo-Dynamik ziemlich authentisch und hilft bei Titeln wie Counter-Strike und Co ungemein. Zwar lässt sich über die Nützlichkeit simulierten Raumklangs streiten; im Test mit dem GSX 1000 hat mich die Klangqualität jedoch überzeugt.

Stichwort Ego-Shooter: In Titeln wie Battlefield 1 hilft warmes und druckintensives Grollen bei Explosionen ungemein der Immersion. In diesem Punkt muss sich das Game One leider leicht geschlagen geben: Aufgrund siener Bauweise liefert das Headset (wie viele andere Vertreter seiner Art) nicht das richtige Frequenzspektrum, weshalb Bässe zwar präzise angesteuert werden, aber nicht einen sonderlich kräftigen Druck mit sich bringen. Obgleich das Headset dies indes mit seiner klaren und genauen Wiedergabe wett macht, mag das sicherlich auch bei actionreichen Filmen ein Nachteil sein. Das entsprechende Tonprofil bei einem externen Verstärker hilft hier aus und zeigt, dass das Game One doch versteckte Stärken liefert.

Das Qualitäts-Headset

Mit zwei unterschiedlich langen Kabel für mobile Endgeräte oder dem Computer, bringt das Game One nicht sonderlich viel Zubehör mit sich. Auch in Sachen Innovation und Gimmicks (wie etwa einer dedizierten Software zum weiteren Anpassen des Frequenzspektrums oder Verwalten von Profilen) fällt das Headset im Vergleich zur Konkurrenz zurück. Doch Freunde – sobald es um die reine Klangqualität und Verarbeitung geht, spielt das Game One alle seine Asse aus.

Das verbaute, klappbare Mikrofon nimmt die Stimme des Anwenders rauschfrei und überraschen voluminös auf. Es passt gut zum restlichen Design des Game Ones und wirkt im Vergleich zu den sonst oft genutzten Verstauungs-Möglichkeiten (einschieben, ganz entfernen, oder ein simpler Mute-Knopf) angenehm simpel und doch durchdacht. Die Lautsärkeregelung in Form eines sanft drehbaren Rads an der rechten Ohrmuschel ist ein weiteres Relikt aus den PC360-Zeiten, was auch hier wunderbar passt und sich in der Praxis gut bedienen lässt.

Ansonsten strahlt das Game One ganz klar explizit eines aus: Qualität. Auch wenn ein Gros des Chassis aus hartem, wahlweise schwarzem oder weissem Plastik besteht, schmücken rot glänzende Details und das Sennheiser-Logo neben dem hochwertigen Memory-Schaum an Muscheln und Bügel das Headset hochwertig aus. Die beiden Kabel sind überdies von schwarzem, dichtem Gewebe ummantelt und erhöht so deren Haltbar- sowie Wertigkeit ungemein.

Fazit

Das Sennheiser Game One kommt ohne viel Schnickschnack daher und will eigentlich nur eines: Sauberen Klang in umfangreicher Frequenzdynamik liefern, den man ansonsten nur von HiFi-Kopfhörern kennt. Dabei fällt die Verarbeitung, beispielsweise im Vergleich zum frisch getesteten Teufel Cage, simpel aus und trumpft hingegen mit den inneren Werten: Die akustische Wiedergabe richtet sich an Puristen, die auf großen, differenzierten Klangraum und komfortable Nutzung aus sind.

Gerade hierbei zeigt sich das Game One von seiner besten Seite: Im “einfachen” Stereogebrauch beglückt das Headset einen mit ungewohnter Klarheit und weichen Bässen. Diese fallen leider vergleichsweise warm und schwach aus; etwas das bei Bedarf mit entsprechenden Hilfsmitteln und Equilizer-Einstellungen korrigert werden müsste. Leider liefert Sennheiser hierzu keinerlei Software, was ich mit einem Abzug ahnden werde.

Doch in Kombinationen mit einer Surround-Simulation oder einem externen Verstärker, wie beispielsweise dem Sennheiser GSX 1000, besteigt das Game One den Audio-Olymp: Gerade die offene Bauweise wird zum Vorteil und sorgt für einen angenehmen Klang mit sauber positionierbaren Tonquellen. Natürlich auf Kosten der Filterung etwaiger Umgebungsgeräusche, da das mit seinem Alter doch recht teure Headset in offener Bauweise daher kommt.

Sennheiser Game One

144.99
Sennheiser Game One
8.9

Technik

9/10

Verarbeitung

10/10

Komfort

10/10

Umfang

7/10

Positiv

  • Hoher Komfort dank Memory-Foam
  • Sauberer Frequenzbereich
  • Geeignet zur Surround-Emulation
  • Voluminöse Mikrofonaufnahme
  • Hohe Verabrietungsqualität

Negativ

  • Keine offizielle Software
  • OutOfBox-Bässe zu sanft
  • Vergleichsweise teuer

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