Test: NZXT H440 v2

Der kalifornische Hardware-Hersteller NZXT bewies bereits in der Vergangenheit, dass für ihn Qualität und Funktionalität an erster Stelle steht. Mit den Gehäusen der neuen H-Serie will man diese Tradition fortführen.

Think outside the box

Wenn man die aktuelle Tendenz der Gaming-Community hinsichtlich der Ausgestaltung ihrer Hardware in einem Wort zusammenfassen wollte, wäre es: Minimalismus. Vor einigen Jahren herrschten die exotischsten Modding-Cases über den Thron der Extravaganz. Externe Wasserkühl-Kreisläufe, maschinell automatisierte, sich selbst öffnenden Gehäuse und so viel Glas wie nur irgend möglich.

Darauf antwortete der Markt mit entsprechenden Konzepten: Im Moment findet man Glasgehäuse oder gar extraordinär teure Wallmount-Cases an jeder Ecke des Internets. Zu allen Preisen und in allen Varianten. NZXT’s time to shine: Entgegen dem Trend wirken minimalistische, gedämmte Gehäuse ohne Front und sonstigem Schnickschnack höchst professionell.

So auch die frische H-Reihe: Auf die Wurzeln des Gamings besinnt, mit gut gedämmter Statik und moderner Ästhetik ausgestattet, rockt kaum ein anderer Hersteller das Preissegment. Mit dem H200-Modell beginnend, finden sich hoch bis zum H700i verschiedenste Ausfertigungen mit entsprechender Ausrüstung.

Für einen Test hat man uns nun freundlicherweise die aktuelle Revision des H440 (v2) Gehäuses in einem sportlichen Schwarz-Blau bereitgestellt.

Der Schein trügt

Das H440v2 kommt in einem schlichten und doch sportlichen Design: Mit einem getönten, hochwertigen Seitenfenster bestückt, bietet das Gehäuse eine Kombination aus Rundungen und markanten Details. Besonders auffällig ist die Struktur des Interieurs: Auf PSU-Ebene wird die gesamte Länge als Stauraum für Kabel und Co bereitgestellt – auf der Front hiervon prangt das NZXT-Logo, welches im Betrieb sogar mit LEDs angesteuert wird.

Generell fällt es schwer, auf erstem Blick zu erahnen, dass die Stärken der metallenen Hülle auf solidem Kabelmanagement liegen. Gerade die Front wirkt wie die jener nostalgischen Gehäuse, in denen das Frontpanel noch für Laufwerke verwendet wurde und daher die Front aufgeklappt werden musste. Falsch: Die Front wurde bewusst versetzt um etwaigen, frontal angebrachten Kühlern beziehungsweise Radiatoren sprichwörtlich „Luft zum Atmen“ zu geben.

An den Rändern und entlang der Öffnungen gesellt sich die Signaturfarbe des jeweiligen Modells hinzu: In unserem Fall das Blau auf schwarzem Hintergrund. Daneben wurden Lüftungsöffnungen mit metallenen Wabengitter versehen, das das Gesamtbild wirklich hochwertig abrundet.

Obgleich alles – trotz seines Form-Faktors – sehr kompakt wirkt, trügt der Schein gewaltig: Im Inneren findet sich unfassbar viel Platz. Neben der eher selbstverständlichen Norm ATX, mATX und gar ITX, bietet das H440v2 erstaunlich viel Stauraum. Ein Umstand, welcher von dem mitgelieferten PWM-Hub für eine zentralisierte Lüfter-Verkabelung nur noch weiter unterstrichen wird.

Durchdachte Qualität?

Das H440v2 wird in erster Linie wegen seines großzügigen Stauraums beworben, weswegen eine umfangreiche Flüssigkühl-Lösung naheliegt. Im Test haben wir bewusst auf NZXT’s hauseigene AiO-Kühler mit geschlossenem Kreislauf zurückgegriffen, welche wir bereits in der Vergangenheit im Einsatz hatten.

Im Detail: Der NZXT Kraken X42 kommt mit einem 140mm Radiator, der Kraken X62 hingegen mit einem opulenten 280mm Radiator daher. Während das kleinere Modell für die CPU im Einsatz ist und gut an der Rear-Plate Platz findet, machten wir uns mit dem X62 eingangs recht schwer: Eine Rear/Top-Konstruktion war der Ästhetik wegen am naheliegensten – in der Praxis passt der X62 neben einem Rear-Kühlblock schlicht nicht an die Oberseite des Gehäuses.

Es half kein Drücken, kein Schieben: Obgleich das Gehäuse als Volumen-Meister beworben wird, führte kein Weg daran vorbei, den Radiator des Kraken X62 an der Front zu befestigen, was eine besonders große Einschränkung mit sich brachte: Eingangs lieferte das H440v2-Case im vorderen Abschnitt enorm viel Stauraum für Festplatten. Gerade die Slot-Mechanik mit seinen separaten Einschüben beeindruckte uns anfangs sehr. Um den 280mm-Radiator jedoch ordnungsgemäß verbauen zu können, mussten sämtliche Einschübe auf der Ebene weichen. So mussten Festplatten teilweise lose auf PSU-Ebene verstaut werden. Ärgerlich.

Ansonsten kommt das Gehäuse mit mittlerweile NZXT-typischen Extras, die man im Alltag nichtmehr missen mag: Die Front- und Unterblende mit entsprechendem Luftfilter sind per Magnet am Gehäuse befestigt und lassen sich zur Reinigung sehr leicht entfernen und anbringen. Die Top-Konsole mit I/O-Feature lässt sich leicht erreichen und das halbe Dutzend USB 3.0 Anschlüsse reichen völlig.

Im Vergleich: Das S340 Elite bringt dieselbe Menge an Anschlussmöglichkeiten – lediglich der (ohnehin selten funktionierende,) zusätzliche HDMI-Port fällt weg.

(Hörbare) Hochwertigkeit

Trotz der im Test am Ende insgesamt sechs verbauten Lüfter, ist die Statik des Gehäuses derart durchdacht, dass alles in allem doch sehr still ausfällt. Trotz der Abstände im Front- und Rear-Bereich des H440v2, eigentlich berüchtigte Geräuschherde, dringt kaum Lüfterrauschen durch.

Generell wirkt und fühlt sich das Gehäuse sehr wertig an: Die verwendeten Materialien überraschen trotz der relativ geringen Preisklasse. Das getönte Glas wirkt ebenfalls robust und hat selbst verschiedenste Transporte zu lokalen VR-Events im Auto makellos überstanden. Gerade die Bauweise und die Staumöglichkeiten für Kabel und Co begeistern im Alltag.

Lediglich der PWM-Hub für 8 Lüfter machte gerne mal Probleme: In Kombination mit den vielen Kabelsträngen, welche sich nicht im Fuß verstecken ließen, drückt er doch sehr auf die Außenwand – was zu (im Alltag unsichtbaren) Schrammen im Dämmmaterial führt.

Dasselbe gilt übrigens auch für ein anderes Bonus-Feature: Im Backpanel ist eine kleine LED verbaut, welche die Rückseite auf Höhe der GPU auf Knopfdruck beleuchtet. Gerade in Momenten, in denen man unters Schreibtisch kriechen und Monitore anschließen will, sicherlich hilfreich. Beim Verbauen des Kraken X42 hatte die LED intern jedoch kein Platz mehr und musste völlig weichen.

Fazit

NZXT beweist mit dem H440v2 – dem Quasi-Vorreiter der neuen H-Reihe – mal wieder, dass Minimalismus und viel Stauraum auch mit Stil umgesetzt werden können. Alle Abschnitte des Gehäuses sind robust verarbeitet und fühlen sich wertig an.

Allein die Platzproblematik mit mehreren AiO-Kühllösungen ist ärgerlich. Gerade mit hauseigenen Modellen hätten wir uns mehr erhofft und musste im Test viele Kompromisse eingehen. Der dadurch einhergehende Wegfall von Features, wie etwa den durchdachten HDD-Einschüben, hätte nicht sein müssen.

Ansonsten trumpft das Case mit der wirklich guten Dämmung, minimalistischen Look und dennoch wirklich hochwertigen Feel. Der verbaute PWM-Verteiler sowie das beleuchtete NZXT-Logo sind eine nette Dreingabe und runden das Gesamtbild gut ab.


Herzlichen Dank an Freaks4u Gaming für die freundliche Bereitstellung des Testexemplars.

NZXT H440 v2

119,65
7.8

Technik

7.5/10

Verarbeitung

9.0/10

Komfort

7.0/10

Umfang

7.5/10

Positiv

  • Hochwertige Verarbeitung
  • Funktionierende Dämmung
  • Minimalistisch und doch robust
  • Tolle Boni wie der zus. PWM-Hub
  • Viel Stauraum ...

Negativ

  • ... der in der Praxis Opfer fordert
  • Platzproblematik bei 280mm Radiatoren
  • HDD-Einschübe gerne im Weg

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