Test: Little Nightmares

Kindheitsängste sind etwas, das uns manchmal bis ins hohe Alter folgt: Schatten in der Dunkelheit, unbekannte verzerrte Geräusche und allem voran das Ungewisse.

Little Nightmares spielt hiermit und auf diese Weise mit uns. Wieso das doch sehr kurze Spiel einen dennoch oder vielleicht gerade deswegen sehr begeistert, lest ihr nun.

Rätsel in der Finsternis

Als Six tappen wir oft buchstäblich im Dunkeln

Ohne irgendwelcher Vorgeschichte, Intro oder Ähnlichem werden wir ins Spiel geschmissen. Als „Six“, einem (buchstäblich) kleinen Mädchen mit einer gelben Regenjacke werden wir in einen Käfig gesperrt und müssen kurzerhand hieraus entkommen.

Wie Six in diese Lage kam und warum wir an jeder Ecke ängstlich und lauschend innehalten müssen, kann an dieser Stelle der Fairness halber nicht verraten werden.

In einer dreidimensionalen Seitenansicht steuern wir das Mädel durch düstere Gänge und höchst obskure Szenarien: Küchen mitsamt wütenden und sehr surrealen Küchenchef, Berge von Kinderschuhen in einer Grube, Regenrinnen… das Spiel geizt nicht mit einfallsreichen und düsteren Umgebungen. Dabei gilt es hauptsächlich zu überleben und der Frage nach dem „Warum?“ auf den Grund zu gehen.

Artstyle zum Fürchten

Little Nightmares kommt mit einem wirklich sehr plastischen Artstyle daher: Alles wirkt greifbar, Gefahren noch bedrohlicher – und kleine Gnome, welche uns auf dem Weg in die Frieheit begegnen noch niedlicher. Das Entwicklerstudio geizt auch nicht an der Akustik: Furchteinflössend hallen unsere Schritte in den dunklen Gängen wider, den röchelnden Atem eines der geheimnisvollen Anwohner stellt unsere Nackenhaare auf.

Auch der Soundtrack löst zum wohligen Gruseln ein: Dumpfe, melancholische Klänge werden zuweilen von einem sanften Kinderchor untermalt und kündigen etwas Grauenvolles an, das in der nächsten Szene oder gar Sekunde bereits auf uns wartet. Alles ist aus einem Guss – ein alptraumhafter Guss, aus dem es zu Fliehen gilt. Vergleichbar mit Limbo oder Inside packt uns hierbei eine dunkle Faszination.

Hunger nach Optimierung

Was der Koch da zubereitet, wollen wir gar nicht wirklich wissen

Little Nightmares hieß damals, bevor es von seinem großen Publisher „entdeckt“ und aufgekauft wurde noch „Hunger“. Der Name kommt nicht von ungefähr, so hat Six immer wieder Hunger. Was tun? Auf diese Frage wartet das Spiel mit immer grausameren Antworten auf euch.

Leider ist eine dieser Antworten eine teils sehr hinderliche Hitbox der Umgebung: In 70% der Fälle, in denen wir unseren Peinigern nicht entkommen konnten, ist die Umgebung schuld. Mal bleibt Six an einem Stuhlbein hängen, statt sich flott unter einem Tisch zu verstecken – mal wird die Kollisionsabfrage bei weiten Sprüngen zu unserem Verhängnis.

Das Spiel dauert bei einem sauberen Durchlauf keine drei Stunden. Am Ende kann es dennoch passieren, dass man knapp 30 Minuten im Trial & Error Prinzip versucht das derzeitige Level zu knacken. Nicht etwa wegen des Schwierigkeitsgrades der doch sehr rudimentären Rätsel, sondern der eingangs erwähnten Kollisionsabfrage.

Fazit

Die Probleme mit der Kollisionsabfrage oder einer zu sensiblen KI ist Nitpicking auf hohem Niveau: Das Spiel ist keineswegs perfekt, doch abseits hiervon schafft es Little Nightmares nämlich genau das, was der Entwickler in seinen Trailern verspricht. „Stell dich deinen Kindheitsängsten“ – aus Six‘ Sichtweise erleben wir Grausames, gar Groteskes.

Die paar Stunden, die das Spiel offeriert, entführen euch in eine düstere Dystopie in der nicht alles zu sein scheint wie es wirkt. Der tolle Grafikstil und haarsträubende Tonuntermalung tragen einiges hierzu bei.

Little Nightmares ist das perfekte Spiel für einen verregneten Abend zu zweit auf dem Sofa: Gemeinsam gruselnd, rätselnd und hinterher stundenlang über das grandiose Finale philosophierend, kann man auch über kleinere Makel oder die Spielzeit hinweg sehen. Bleibt abzuwarten, ob hinter dem Horizont mehr auf uns wartet.

Little Nightmares

15,89€
Little Nightmares
80

Audiovisuelle Qualität

9/10

    Inhalt/Umfang

    7/10

      Gameplay

      8/10

        Geschichte

        9/10

          Positiv

          • Herrliche audiovisuelle Qualität
          • Mitreißendes Schicksal der kleinen Six
          • Grandioses Finale

          Negativ

          • Lösungswege nicht immer schlüssig
          • Kollisionsabfrage oft ein Verhängsnis

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