Test: Lioncast LX30

Mit dem LX30 brachte der Hersteller Lioncast vor Kurzem die Brücke zwischen seinem etwas teureren Model LX50 sowie dem Budget-Headset LX20 auf den Markt. Mit dem LX30 möchte man eine größere Sparte an Gamern ansprechen, welche sowohl auf mehreren Plattformen unterwegs sind, als auch auf technische Spielereien Wert legen. Ob sich der Lauscher in meinem Test bewährt?

Virtual Surround für kleines Geld?

Lioncast bewirbt das LX30 mit kristallklarem, virtuellen Surround Sound. Wie viele von euch wissen, bin ich kein Fan von künstlichen Werbeversprechen. Man muss nicht allzu technisch versiert sein, um zu erkennen dass Virtual Surround – insbesondere in 7.1 – nur sehr schwer mit einem Stereo-Headset zu gewährleisten ist. Mittlerweile sind da mit Dolby Atmos und Windows Sonic jedoch zwei gute Audiotreiber auf dem Markt und teilweise auf jedem Windows 10 Rechner vorhanden, die diese Anforderung meistern können.

Durch Erweiterung des Dynamikbereichs und bewusstes Platzieren der Tonquellen in Spielen, welche Dolby Atmos unterstützen, wird eine gewisse Räumlichkeit vermittelt die gelegentlich sogar gut funktioniert. Natürlich ist selbst dies nach wie vor kein richtiges Surround Sound, da die Tonquelle nach wie vor in den meisten Fällen ein Stereo-Kopfhörer oder -Headset bleibt.

Die mitgelieferte Software des LX30 versucht dies ebenfalls – entsprechende Einstellungsmöglichkeiten und ein 7.1-Modus vermitteln die Möglichkeit, diesen Effekt herbei zu rufen. In der Praxis hat sich das ganze aber ziemlich unausgereift heraus gestellt. Leider kommt das virtuelle 7.1-Feature nicht im geringsten an Dolby Atmos oder gar Windows Sonic heran. Zwar hebt sich der Dynamikbereich der Wiedergabe leicht an und vermittelt so entsprechende Räumlichkeit – ein genaues Positionieren der akustischen Quellen findet hierbei aber keinesfalls statt. Wie denn auch? In der Praxis reicht es nicht aus, das Eingangssignal zu amplifizieren – die entsprechende API muss her. Somit verkommt das große Werbeargument leider recht schnell zu heißer Luft.

Software wider Willen

Die Software ist per se jedoch recht leicht zu bedienen und bietet viele verschiedene Funktionen, wie etwa einen Equalizer und die Möglichkeit die RGB-Beleuchtung des Headsets anzupassen. Doch hier stoße ich bei genauerer Betrachtung auch schon wieder auf ein großes Manko: Die RGB-Beleuchtung (so Gimmick-y sie auch sein mag und so sehr ich die Notwendigkeit ihrer zwar auch nicht verstehe) funktioniert out-of-the-box auch ohne Software. Beim Betätigen eines Schalters an der USB-Schnittstelle des Headset lässt sich die LED auf beiden Seiten des Headsets aktivieren. Ohne Software-Anpassung leuchtet das Headset schlicht rot; sobald der digitale Helfer jedoch zum Einsatz kommt, wird es unangenehm kompliziert.

Es ist partout nicht ganz klar, ob das Headset unsere Einstellungen (Pulsieren, Farbwelle, statisch, etc.) auf der Schnittstelle speichert und fortan auch ohne Software abdeckt. Tatsächlich stellt sich schnell heraus: Das ganze geschieht sehr wirrkürlich, denn wenn die Software im Einsatz ist und der Treiber im Hintergrund läuft, wird das gewünschte Einstellungs-Profil inkl aller Ton-Justierungen und Co aktiv genutzt. Sobald der Treiber abstürzt oder das Headset an einem anderen Gerät verwendet wird, scheint sich das Modul im Kabel aufzuhängen und die LED funktioniert nur noch bedingt.

Generell ist der Treiber ziemlich undurchsichtig und hat bei der Installation auf meinem Rechner sogar eine Trojaner-Meldung mangels offizieller Microsoft-Zertifizierung ausgelöst.

Und alles andere?

Wenn man das Headset auf – nun ja – das Headset selbst beschränkt und differenziert bewerten sollte, bleibt nicht mehr sonderlich viel von den Versprechen Lioncasts übrig. Generell lässt sich immerhin sagen, dass die Tonqualität im normalen Stereo-Modus ziemlichbrauchbar ist. Die Höhen und Tiefen heben sich angenehm voneinander ab, detaillierte Mitten gehen leider oft in der Action verloren. Zwar kann man hier wieder mit der rudimentären Software eingreifen – schaut bei der Benutzung an eine der anderen Plattformen dann aber auch schon wieder in die Röhre.

Die Verarbeitung des Lioncast LX30 ist an sich in Ordnung: Das Gerät ist recht stabil gebaut, kommt mit einem verstärkten Bügel daher – ist jedoch alles in allem ein ziemlicher Plastikbomber. Zwar sitzen die PVC-Kissen der Hörer zu Beginn recht bequem um den Ohren herum, werden aber schnell derart warm und wegen des strammen Drucks recht unbequem. Viele Möglichkeiten dies zu kontern bestehen leider nicht: Das Headset lässt sich nur in der Größe einstellen – der Rest besteht aus ziemlich gnadenlosem Plastik, das bei größeren Biege-Aktionen kaputt zu gehen droht.

Das Headset dämmt leider weder nach innen, noch nach außen. Generell kann man beinahe alles von außen mithören und bei LAN-Parties oder im Wohnzimmer ist das kein tolles Merkmal. Manchmal kommt die Audioausgabe sogar derart ungefiltert durch das PVC, dass das Mikrofon es auffängt und in Spielen oder zum Beispiel Discord ein unangenehmes Echo entsteht. Zwar lässt sich dieser Nebeneffekt mit einer Verringerung der Lautstärke ausgleichen, darf aber nicht sein.

Auch das eben angesprochene Mikrofon ist OK. Soll heißen: Tatsächlich hat es sich zu beginn als sehr klar und detailreich heraus gestellt. Leider fällt nach einer Weile die blecherne Wiedergabe der Stimme jedoch derart negativ auf, das sich von Mitspielern darauf angesprochen wurde. Da hilft es nicht, dass das Mikrofon ungefiltert Geräusche aus dem Raum sowie starkes Grundrauschen in seiner Statik mitliefert.

Auch hier könnte man mit entsprechenden Einstellungen der VoIP-Software aushelfen, spricht aber erneut nicht sonderlich für das Produkt.

Fazit

Mit dem LX30 will Lioncast eine ganz bestimmte Gruppe von Gamern ansprechen: Jene, die auf der einen Seite sowohl mobil als auch liquide bleiben wollen. Das Headset ist zwar durch die Bank an allen gängigen Gaming-Plattformen nutzbar, jedoch nur am PC per mit geliefertem USB-Kabel und dann eingebauter Soundkarte. Letztere kam im Test jedoch auch nicht sonderlich gegen meine interne Akustiklösung an, weswegen der Klinkenstecker an der Tagsordnung war. Hierbei verzichtet man jedoch gänzlich auf alle Softwarefunktionen – wleche in der Theorie zwar nett klingen, in der Praxis aber ohnehin leider alles andere als überzeugen.

Boni wie die RGB-Beleuchtung und sogar virtueller 7.1 Surround mögen auf dem Papier als Verkaufsargument durchgehen; enttäuschen dann aber beim Test auf ganzer Linie. Hier sollte eherauf Windows Sonic oder Dolby Atmos ausgewichen werden.

Alles in allem ist das LX30 ein Budget-Headset für die kleine Börse ohne all zu große Anforderungen zu stellen – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Lioncast LX30

39,95€
5.1

Technik

5.5/10

Verarbeitung

4.0/10

Umfang

4.0/10

Preis/Leistung

7.0/10

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