Test: iiyama G-Master „Gold Phoenix“ GB2888UHSU-B1

Nach der großen „FullHD“- alias 1080p-Welle keimt immer mehr das Verlangen nach „größer, schärfer, lebendiger!“ auf. Die neue 4k-Auflösung wurde geboren: Mit seinen 3840×2160 Bildpunkten stellt sie die achtfache Datenmenge auf gleicher Bildfläche dar, wie wir es von 1080p gewohnt sind. Wo eine Auflösung von 1920×1080 derzeit noch etablierten Standard bezeichnet, bietet 4k (oder auch UltraHD) eine Bildqualität welche gerne Kinnladen fallen lässt – entsprechende Hardware vorausgesetzt.

Neben einer potenten Grafikkarte müssen die Bildschirme als solches die Auflösung unterstützen – meist zu einem horrend hohen Preis. iiyama will mit seinem G-Master GB2888UHSU-B1 die Lücke schließen – und hat uns das Gerät zu Testzwecken zugesandt.

Schöne neue Welt

Der Monitor des japanischen Herstellers kommt mit seinem derzeitigen Preis von 450 € als einer der preiswertesten Schirme in der Größen- und Auflösungsklasse daher. Satte 28 Zoll bieten sehr viel Bildfläche – reihen sich schon fast als oberen Standard ein: Weiter darunter kommt die Auflösung von 2160p nicht sonderlich zur Geltung und iiyamas Entscheidung, den Golden Phoenix auf diese Größe festzusetzen war auf alle Fälle richtig.

Schon die Verpackung suggeriert iiyamas Kampfansage

Mit einem angepeilten Kontrastverhältnis von 1000:1, einer Reaktionszeit von nur einer Millisekunde und AMDs FreeSync Technologie klingt das Ganze nach einem wirklich guten Paket.

Die Aufmachung und Verarbeitung des Monitors ist als solche kein besonderes Merkmal; wirkt und „fühlt sich“ dennoch hochwertig an: Der Rand überschreitet keine 2cm, das gesamte Gerät hält sich in schlichtem, gebürstetem Schwarz.

Auch der schwergewichtige Bildschirmfuß, auf dem der mächtige Golden Phoenix thront, ist in schwarz gehalten und nimmt dank seines flachen Designs grundsätzlich nicht so viel Platz auf dem Schreibtisch ein, wie es Hardware-Vertreter oftmals doch tun.

As speaking of: Der Monitor lässt sich auf vielerlei, sinnvolle Weise verstellen. Eine Höhenverstellung, Drehung für eine Pivot-Haltung (Hilfreich beim Lesen und Bearbeiten von längeren Texten) sowie vertikales Neigen sind möglich. Eine Drehung auf horizontaler Ebene ist als solches wegen der festen Bauweise des Standfußes nicht möglich.

Ich sehe etwas, das du nicht siehst

Hingegen des derzeit aufsteigenden Trends, vermehrt das hochwertige IPS-Panel zu verwenden, setzt der G-Master Golden Phoenix von iiyama auf ein TN-Panel. Dieser ist deutlich günstiger in der Produktion, was den recht niedrigen Kampfpreis letzten Endes gerechtfertigt. Nichts desto trotz kann sich die abgelieferte Qualität sehen lassen: Das Bild bietet satte Farben, schon ab Werk – und das noch bevor ich den Overdrive-Modus aktiviert hatte. Tatsächlich waren jedoch für die ideale Farbgebung dennoch Anpassungen von meiner Seite aus notwendig („Your mileage may vary!“): Die Einstellung 100/90/91 (RGB) half hier am Ende aus. Wir können leider (noch) nicht auf Farbmessgeräte zurückgreifen, weswegen die genauen Werte in eurem Fall definitiv abweichen können.

Ohne viel Schnickschnack und doch modern.

Der Monitor kommt mit diversen Modi daher, welche sich auch an einem Spektrum an Spiel-relevanten Profilen bedient (welche ich persönlich im Alltag nie verwende): So wie beispielsweise für EGO-Shooter, wo sachte Helligkeit gemindert und Blauwerte angehoben werden. Grundsätzlich ist das Menü des iiyama G-Masters übersichtlich aufgebaut: Ich fand mich schnell zurecht und konnte alles an den jeweiligen Bedürfnissen anpassen.

Auch die erwähnte Overdrive-Funktion findet sich schnell: In den Stufen -2 bis +2 lässt sich hier die Pixelaktualisierungsrate manipulieren. Am besten wirkte Overdrive +1, vor allem auch wegen meines Faible für Titanfall 2’s flotten Gefechte. Bei +2 kam es jedoch schon zu Artefakten, weshalb ich generell empfehle, dieses Setting mit Vorsicht zu genießen.

Die Gleichmäßigkeit Ausleuchtung des Bildschirms ist akzeptabel: An den Rändern fällt bei reinen Schwarzbildern gerade im Dunkeln recht schnell eine leichte Unregelmäßigkeit auf. Hier dürstet die Wahl des TN-Panels leider nach Blut – etwas, das man zu diesem Preis jedoch verschmerzen kann.

Wieder gut macht das die umfangreiche Anschlussmöglichkeit: Neben einem DisplayPort und ganzen 3 HDMI-Anschlüssen finden sich gleich drei USB 3.0 (einer unten und zwei seitlich) welche sich zum Rechner durchschleifen lassen. Das Selbe gilt für den additionalen Kopfhörer- sowie Mikrofonanschluss. Vorbildlich.

Der Preis des Preises

Tatsächlich schlägt sich der G-Master Golden Phoenix im Alltag wirklich gut: Die Bildrate von maximal 60 Hz hält er tapfer ein, sofern man genug Pferdestärken an die Kutsche hängt. In unserem Test wurde eine Nvidia G-Force GTX 1080 mit Referenzkühler im Standardtakt eingesetzt: Bei aktuellen Titeln auf der Auflösung 3840×2160 konstant 60 Bilder die Sekunde zu erreichen fordert seine Opfer – selbst bei aktuellen GPS der 10er-Generation muss gff. von Ultra-Einstellungen abgelassen werden.

Viele Einstellungen; leider jedoch mit Hürden.

Soweit nicht die Schuld des Monitors – hier hilft eine dedizierte Synchronisation aus. Leider kommt der GB2888UHSU mit einem AMD FreeSync Chip daher, was den Gros der Community nicht abdeckt: Trotz Zen und AMDs kommende Referenz trägt NVidia noch immer Großteil des GPU-Marktes. Resultat: Das eigentlich wirklich nützliche Feature kann von der Mehrheit nicht genutzt werden. Den Socken kann man iiyama zwar nicht anziehen – die Lizenzkosten der G-Sync Exklusivität würden den Preis des Monitors durch die Decke treiben. Dennoch schade.

Eine Abhilfe kommt in Form des iiyama-Killerfeatures „X-Res“ daher: In verschiedenen „Härtegraden“ kann vom Monitor die gelieferte Auflösung nativ hochskaliert und auf diese Weise geschärft werden. Würde man herkömmliche, hochauflösende Monitore mit einer geringen (also nicht ihrer nativen) Auflösung befeuern, wäre das Resultat ein verwaschenes, gar teilweise relativ pixeliges Bild.

X-Res hilft hier aus und lässt so beispielsweise eine 2k-Auflösung beinahe wie 4k aussehen. Gerade bei aktuellen Titeln wie Mass Effect hilft das viel: Da 4k die vierfache Auflösung von 2k ist, ist der Performance-Schub bei einer Runterskalierung auf 2k derart groß, dass 60 Bilder pro Sekunde mühelos erreicht werden sollten. Für den Feinschliff und das „4k-Feeling“ sorgt dann X-Res.

Muss das sein?

Bisher dürfte sich der Test recht annehmbar lesen und wir können den Monitor wirklich empfehlen. Wenn da nicht verschiedene Kinderkrankheiten und Fehlgestaltungen wären, die uns den Alltag unnötig erschweren: Das Gewicht des Monitors ist zu hoch für die Feder des höhenverstellbaren Fußes. Das Ergebnis: Oft erwische ich mich, wie ich den Monitor immer wieder um einige Zentimeter hochschieben kann. Da hat sich iiyama intern wohl ein wenig wegen des Gesamtgewichts verschätzt. Kein Drama; und doch ärgerlich. Das Nutzen des integrierten VESA Mounts mit 100x100mm hilft hier aus – für wen das in Frage kommt.

Auch ist das Konzept der kapazitiven Bedienung unterhalb des Monitors nicht sonderlich ausgereift: Durch Berühren einzelner kleiner Ausbuchtungen schalten wir uns durch die einzelnen Signalquellen, Bildmodi und Co. Leider liegen diese so nah beieinander, dass das Ganze oft zu Trial and Error verkommt. Gerade das Feintuning ist bei einem Screen in dieser Preisklasse elementar: Wie weiter oben erwähnt hilft in vielen Punkten ein Nachjustieren der Farben. Dank der Art und Weise, wie wir uns durch die Menüs navigieren, darf man da einige Minuten Zeit einrechnen.

Das größte Problem, das ich persönlich mit dem Testgerät hatte ist im Alltag am ärgerlichsten: Nachdem der Golden Phoenix ankam, fiel mir direkt auf, wie lange er benötigt um nach Tastandruck tatsächlich anzuspringen. man konnte gut und gerne mal zwischen 30 und 40 Sekunden warten. Muss das sein, iiyama? ich hatte das Gefühl, dass es sich hierbei um einen Fehler handeln musste. Ein Telefonat und wenige E-Mails später stand fest: Ein Wechsel von automatischer Quellenerkennung auf eine feste Einstellung soll aushelfen. Leider spart sich das TN-Panel, wie sich dann heraus stellte, auf diese Weise lediglich maximal 10 Sekunden. Am Ende war der PC immer längst dank SSDs und Co hochgefahren, bevor der Monitor auch nur ein Frame ausspuckte. Schade.

Fazit

Mit dem GB2888UHSU-B1 G-Master Golden Phoenix liefert iiyama wahrlich eine preisliche 4k-Kampfansage. Saubere Übersetzung der Bildraten, ein tolles Kontrastverhältnis, schlichtes aber modernes Design und lebendige Farben sprechen neben dem äußerst guten Preis für das japanische Produkt. Leider vermiesen kleinere Schnitzer das Alltagserlebnis: Eine Startzeit von fast einer halben Minute, eine frickelige Navigation dank kapazitiver Tasten sowie eine Fehleinschätzung des Monitorgewichts ärgern immer wieder.

Summa summarum lässt sich sagen: Nirgends wird der Einstieg in die Welt der 4k-Unterhaltung einfacher und vor allem günstiger gemacht. Jedoch gilt: Wer viel spart, zahlt erfahrungsgemäß auf anderem Wege. Hier sind es die Nerven, wenn man warten oder immer wieder die Höhe nachstellen muss. Nitpicking bei dem Preis, keine Frage – jedoch etwas, auf das man sich gefasst machen muss. Wer darüber hinweg sehen kann; den Monitor gegebenenfalls sogar an die Wand hängt, kann getrost zugreifen. Und wenn es nur ist, um die Leistung seiner Grafikkarte einmal voll aus zu reizen.


Herzlichen Dank an behle&partner und iiyama für die Bereitstellung des Testgeräts!

iiyama G-Master Golden Phoenix

429,00
iiyama G-Master Golden Phoenix
7.375

Technik

7/10

    Verarbeitung

    7/10

      Umfang

      7/10

        Preis/Leistung

        9/10

          Positiv

          • Kontrastreich
          • X-Res und FreeSync
          • 4k zu kleinem Preis

          Negativ

          • Keine gleichmäßige Ausleuchtung
          • Große Startverzögerung
          • Gewicht zu hoch für Höhen-Feder
          • Umständliche, kapazitive Tasten

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