Test: Gauss Eyewear

Der Tag hat 24 Stunden. Hiervon kann man im Schnitt 5-8 Stunden Schlaf (in meinem Fall vielleicht sogar etwas weniger) abziehen. Von den bis zu 16 übrigen Stunden verbringen wir im Jahr 2016 durchschnittlich bis zu 12 Stunden vor Bildschirmen. Sei es der Monitor, der Fernseher, das Handy.. ganz gleich – das digitale Fenster ins World Wide Web, Videospiel oder einfach nur die Excel-Tabelle ist zu einem stetigen Begleiter geworden.

Ein Stuttgarter Unternehmen unter der Führung von Peter Marx will mit entsprechenden Brillen Abhilfe schaffen und biologischen Problemen entgegen wirken. Ich durfte diese Brille in den vergangenen Wochen ausgiebig testen und berichte nachfolgend von meinen Erfahrungen mit „Pit“ – meiner neuen Computerbrille.

First things first

„Warum eine spezielle Brille für unser immer digitaleres Zeitalter?“ – nun darüber lässt sich tatsächlich streiten. Fakt ist: Wenn wir unsere Augen zu lange den UV-Strahlen der Sonne ungeschützt aussetzen, leidet nicht nur das Organ als solches darunter; das Sehen als solches wird zunehmend anstrengender. Wir vor einer Weile von diversen Wissenschaftlern entdeckt wurde, setzen uns Monitor und Co ähnlichen Strahlen aus.

Dieses Blaulicht hat ähnlich schädigende Wirkung auf Dauer und soll vor allem aktiv die Melatonin-Produktion hemmen. Hier die Zusammenfassung aus Wikipedia:

Durch die Verhinderung der Melatonin-Produktion kommt (so die Theorie) unser Tag-Nacht-Rythmus gehörig durcheinander. Wir schlafen mit mehr Unterbrechungen, schlafen schlechter ein, weniger durch und besonders wichtig: Müdigkeit als solches setzt sehr spät ein. Peter Marx will dem mit Gauss Eyewear entgegen wirken.

Eine spezielle Beschichtung soll jene blauen UV-Strahlen abblocken, ohne dabei die Farbgebung unseres Sichtfeldes signifikant zu verfälschen. Als Bonus gibt es eine reaktive Beschichtung, welche innerhalb sechzig Sekunden die Gläser tönt. Somit wird aus der (Computer-)Brille in etwa eine voll umfängliche Sonnenbrille.

Wahrlich was fürs Auge

Die in Stuttgart entwickelten Brillen kommen in verschiedenen Ausführungen daher. Neben Pit (welche ich testen durfte) gibt es noch die Ausführungen Jay, KWA, OVA, PAN, SAL und EON. Wie das Unternehmen auf die futuristischen Namen kam und was tatsächlich dahinter steht, ist nicht weiter klar. Klar ist jedoch: Wie der Name, so sind auch die Bauweisen der Nasen-Räder recht futuristisch.

Dazu trägt nicht nur das sehr leichte Titan-Gestell bei – die Brillen kommen stets randlos daher. Wer also – wie ich – bisher nur Gläser mit einem Rand getragen hatte, dürfte zu Beginn ziemliche Gewöhnungsschwierigkeiten haben. Das ist nicht der Brille oder Gauss Eyewear als solches geschuldet; doch die Tatsache sollte hier definitiv Erwähnung finden.

Rein visuell unterscheidet sich die Gauss-Brille jedoch trotzdem signifikant von anderen Vertretern: Durch das superhydrophobische Coating hat das Brillenglas von außen einen bläulichen Schimmer. Alle Reflektionen sind also in blau gehalten. Grundsätzlich kein Problem, dürfte nur bei unwissenden Freunden und anderen Betrachtern für Verwunderung sorgen. Eine kurze Erklärung schafft Abhilfe.

Ich sehe was, das du nicht siehst

Für mich als Brillenträger ist es immer sehr spannend, etwas Neues auszuprobieren. So auch mit der Brille Pit. Durch den UV-Blocker und die eben erwähnte Blueguard-Beschichtung sieht meine Welt nun tatsächlich anders aus. Das ist im Prinzip nichts schlechtes; jedoch wahrlich Geschmackssache. Ich hatte in der Vergangenheit schon mit einigen Optikern im privaten Umfeld über die neue Blueguard-Technik gesprochen und manchen gefielen die Veränderungen an der aktiven Farbgebung nicht wirklich.

Ich muss sagen ich konnte mich mittlerweile daran gewöhnen. Zwar wirbt Gauss Eyewear explizit damit, die Brillen würden keinerlei bis kaum Farbveränderungen mit sich bringen – doch in der Praxis stellte sich heraus, dass die Brille die Welt für mich in ein warmes Farbschema taucht. Am besten zu vergleichen (hier kommen wie ihr merkt die Perks eines Gamers zum Einsatz) mit dem Unterschied zwischen Battlefield 4 und Battlefield 1.

Am besten kann ich das auch mit Screenshots beider für Nicht-Brillenträger darstellen. Ist die Farbgebung, oder viel besser noch die Temperatur der Farbgebung eher kalt und bläulich (wie in Battlefield 4), so wirkt alles mit der neuen Computer-Brille „wärmer“ und klares Weiss bekommt einen gelblichen Stich (siehe Battlefield 1). Grundsätzlich bin ich ein Verfechter natürlicher Farben, doch nach und nach konnte ich mich daran tatsächlich gewöhnen.

Generell wird der Kontrast aus blauen Elementen gerade in Spielen, auf Handyschirmen oder im Kino raus leicht raus genommen. Was bleibt ist eine sattere Farbpalette, weniger grelle Kaltfarben und bei allen übrigen Elementen höherer Kontrast. Gerade beim Zocken abends im Dunkeln oder vielleicht der gemütlichen Runde Netflix (and Chill?) wirkt Kevin Spacey viel lebendiger. Als ich die Brille währenddessen abnahm, fiel mir erst so richtig auf, wie blass vieles ansonsten gestaltet war und wie lebendiger nun alles wirkt.

Das kann natürlich auch daran liegen, dass ich mich an die Farbgebung innerhalb der letzten Wochen gewöhnt habe; letzten Endes gefällt mir das Ergebnis jedoch besser als erwartet. Ob es langfristige Nebenwirkungen gibt, bleibt abzuwarten – ich merke bereits jetzt, wie grell vieles für mich wirkt wenn ich die Brille testweise abnehme.

Quasi frisch aus der Matrix

Im Alltag fällt die neue Brille erstaunlich vielen direkt auf. Wo es in der Vergangenheit eher unterging, fragten mich einige in der Anfangsphase nicht selten, ob ich eine neue Brille… oder sogar warum ich denn eine Sonnenbrille auf hatte?

Ja, die Reaktivbeschichtung funktioniert gut. Sogar so gut, dass ich teilweise aus dem Freien ein Gebäude betrete und noch etwa eine Minute lang aussehe als wolle ich meine Augenringe nach einer viel zu langen Party-Nacht kaschieren. Bezeichnend wurde ich neulich von einem Freund beim Betreten unserer Gemeinde am Sonntag mit „Hey Neo!“ begrüsst.

Generell macht auch die Sonnenbrillen-Funktion einiges her. Wie das Ganze funktioniert kann ich hier nicht im Detail erklären; das würde den Rahmen der Rezension sprengen. Ach ja: Zur Brille gibt es neben einem robusten Brillenetui noch ein großes Microfasertuch und ein Brillenpass in Kreditkartenform und -Material. Nett!

Unterm Strich? Hilfts?

Ich war zu Beginn doch sehr skeptisch, was die praktischen Folgen eines Blueguard-Caotings betrifft. Gerade in meinem Fall und entsprechenden „Bildschirm“-Konsum (ganz gleich ob auf der Arbeit oder in meiner Freizeit) wäre schon eine Entlastung für die Augen ein wertiges Kriterium für die Brille. Doch wie sieht es mit der Melatonin-Produktion aus?

Natürlich lässt sich nun darüber stundenlang streiten, doch nach einiger Zeit setzte eine Müdigkeits-Phase gegen Abend ein, die ich so in der Form; beziehungsweise so früh lange nicht mehr erlebt habe. Grundsätzlich schlafe ich tatsächlich vermehrt „durch“ und das stärkt auf lange Sicht auf jeden Fall meinen Tagesrhythmus. Ob diese Effekte nun an der Melatonin-Produktion oder schlicht und ergreifend beanspruchten Augen wegen der Umstellung auf diesen doch sehr spezielle Farbgebung liegt – man weiß es nicht.

Auf lange Frist werde ich die Brille behalten. Ich konnte mich mittlerweile gut an sie gewöhnen und die erwähnten Perks sind für mich von positiver Natur. Wie immer gilt: Your mileage may vary. Unterm Strich ist es dem Stuttgarter Startup „Gauss Eyewear“ gelungen, eine moderne und funktionelle Brille zu kreieren, die sich an unsere Bedürfnisse und die Umgebung in gewisser Weise anpasst. Die minimalen Veränderungen der Farben und des Kontrasts, die reaktive UV-Schutzschicht und natürlich das Blueguard-Coating sind tolle Features; welche für mich persönlich einige positive Veränderungen mit sich brachten.

Wie sie das Ganze dann auf Dauer auf den Träger auswirkt und ob die Schlafkultur tatsächlich dermaßen verbessert wird, kann uns jedoch nur die Zeit sagen. In Stuttgart jedenfalls denkt man derweil nach vorne: Mittlerweile wurde eine Unterfirma gegründet, welche sich auf Zusatzlinsen für Virtual Reality Brillen sowie hygienische Abdeckungen spezialisiert.


Vielen herzlichen Dank an Gauss Eyewear für die Bereitstellung des Testexemplars und den herausragenden Support in Folge!

Gauss Eyewear Pit

ab €119,00
Gauss Eyewear Pit
8.2

Verarbeitung

9/10

    Alltagstauglichkeit

    8/10

      Komfort

      8/10

        Technik

        9/10

          Positiv

          • Saubere Verarbeitung
          • Blueguard-Coating
          • Reaktive UV-Beschichtung
          • Keanu Reeves Vibes

          Negativ

          • Nur randlos verfügbar
          • Recht fragile Bauweise
          • Ungewohnte Farbgebung

          7 thoughts on “Test: Gauss Eyewear

          1. Übersetzt auf Deutsch:

            Hallo, danke für die tolle Bewertung! Sie haben diese im Dezember, also was denkst du jetzt an sie?

            Ist Ihr Schlafzyklus gut eingestellt, wie Sie erwähnen Müdigkeit gegen Ende des Tages? Wollten Sie, dass diese schläfrige Wirkung nicht passiert ist?

            Sind sie haltbar?

            I actually speak English:
            Hi, thanks for the great review! You got these in December, so what do you think of them now?

            Has your sleep cycle adjusted well as you were mentioning fatigue towards end of the day? Did you wish this sleepy effect didn’t happen?

            Are they durable?

            1. Hey, Danke für deine Nachfrage.

              Die Haltbarkeit ist etwas fraglich (fragil), dennoch sind sie nicht instabil. Eine vorsichtige Behandlung ist dennoch wichtig!

              Die andere Frage kann dir nur Timo beantworten, er ist leider gerade im Urlaub. Weswegen du dich etwas gedulden musst. ich sag ihm jedoch Bescheid.

            1. Hi! Nach Monaten Nutzung bin ich nach wie vor zufrieden. Lediglich im Kino bei 3D-Filmen kommt es wegen der Bluguard-Schicht gelegentlich zu Problemen durch ungewollte Reflexionen. Was auf Dauer auch etwas stört, obwohl es ein Feature ist: Die Sonnenschicht sorgt oft dafür dass ich ungewollt eine Sonnenbrille trage. Die Haltbarkeit ist, anders als Chris schrieb, dank des Titangestells über jeden Zweifel erhaben.

              After a few months of usage I’m still impressed. The only issue are small blue reflections when in the cinema watching 3D movies. Besides that I wish I could get rid of the sunglasses-mode sometimes, due the fact how sensible the sun coating actually is. Unlike Chris said, the durability remains beyond all doubt – thanks to its titanium frame.

          2. Was mich extrem stört, die Brille ist innen nicht entspiegelt.
            Und es blendet extrem in der Sonne (wo man die Brille doch extra da tragen will).
            Auf Dauer ist es sehr für die Augen anstrengend.

            Das ist der Grund warum ich zum anderen Hersteller gewechselt bin und die Gauss seid einem Jahr rum liegen. Eigentlich viel zu schade..

            1. Wo mir die fehlende Entspiegelung einzig auffiel, war tatsächlich im 3D Kino: Die zusätzlichen 3D-Gläser konvergieren nicht gut mit der Blueguard-Beschichtung, was zur Reflektionen heller Lichtquellen führt…

              Aber im Alltag hatte ich die Probleme weniger.. vermutlich habe ich mich daran gewöhnt?

              1. Ich bin normalerweise kein Brillenträger.
                Deswegen merke ich sofort wenn ich was vor den Augen habe und noch so kleine Staubpartikeln auf dem Glas 🙂
                Bei der Gauss Brille sehe ich mein Gesicht gespiegelt.
                http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/20170530165531wr50d89mhu.jpg
                Auch sonst ist es wohl ungesund.
                Wenn die Gläser Draussen dunkel werden, weiten sich die Pupillen und dann bekommt man durch die Reflektion UV Licht ins Auge gespiegelt…
                Macht man sich auf Dauer die Augen kaputt..

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