Test: FiiO E10K Olympus 2

Diesem Gast-Review sei voran gestellt, das ich im generellen hohe Anforderungen an mein Audio-Equipment stelle – aus guten Gründen: Einerseits ist es mir als Hobby-Musiker natürlich sehr wichtig, meine eigenen Tracks und Effekte möglichst detailliert hören zu können, andererseits bin ich Nerd, der seine Hardware gerne optimiert – so um zum Beispiel Games in höchster Qualität genießen zu können. Ich habe das Gefühl, das bringt mich der Intention des Entwicklers näher – ein schöner Gedanke, wie ich finde.

Entsprechend kritisch war ich, als Timo mich fragte, ob ich den E10K Olympus 2 von FiiO rezensieren wollte. Kopfhörer DACs (Digital-Audio-Wandler; engl. Digital Audio Converter) sind mir nicht fremd – jedoch waren meine Erwartungen ob des Preispunkts gedämpft. Zwar weiß ich das FiiO schon eine Weile am Markt ist – dennoch: Es hat seinen Grund, warum Menschen mehrere tausend Euro in gute Verstärker stecken.

Vor dem Ausprobieren – Unboxing und Lieferumfang

Der E10K kommt sehr schmucklos verpackt daher: Eine kleine Box – in etwa so groß wie ein CD-DigiPack – aus Karton, etwas Plastikfolie (pfui!) sowie ein Echtheitssticker sind auf der schlichten, weißen Verpackung; das Highlight ist ein mittig sitzendes rundes Vorschaubild des beinhaltenden Geräts. Neben diesen Eindrücken war jedoch mein erster Gedanke: „Chinesische Schriftzeichen – na wunderbar.“ Made in China ist für mich im allgemeinen kein Qualitätssiegel; habe ich doch schon zu oft eigene Erfahrungen damit gemacht – z.B. wenn es um Arduino Nachbauten ging, die Sang und Klanglos den Dienst verweigerten, Quadrocopter-Motoren die in Flammen aufgingen oder aus Horrornachrichten wie „USB-Ladestecker aus China explodiert“.

Der Eindruck verstärkte sich nach dem Öffnen: Das Schaumstoffpolster, welches den DAC in Position hielt war nur grob geschnitten und leicht ausgefranzt. Zwei dünne Handbücher, ein mäßig langes USB Kabel – und natürlich der Verstärker selbst komplettieren das ganze. Nach dem Auspacken des Geräts allerdings die erste Überraschung: Das gebürstete und dunkel eloxierte Aluminium liegt toll in der Hand, der klar und sauber beschriftete Lautstärkeregler bietet guten Widerstand von der Schrift ‚off‘ auf die ‚0‘ – eben so ein sanftes knacken. Ein bisschen irritierten mich allerdings die Gummifüßchen die relativ lieblos zum selbst aufkleben beigelegt waren: Ich hätte mir auf der Unterseite des Geräts durchaus entsprechende Aussparungen gewünscht.

Anschlüsse und Bedienelemente

Als jemand – der sehr zum Verdruss seiner besseren Hälfte – sehr gerne sehr viele Kabel nutzt (So ein 7.1 Surround System braucht das halt!) waren die Anschlussoptionen schnell erkundet: Mini-Stereo Jack an der Frontseite, ein Koaxial- als auch Stereo-Jack (Nur Out) auf der Rückseite. Dazu ein Micro-USB ohne Beschriftung als Eingang. Zur Bedienung gibt es einen großen Lautstärkeregler und einen etwas zu klein geratenen „Bass Boost“-Schalter an der Frontseite sowie einen baugleichen „Gain“-Switch auf der Rückseite.

Auf die inneren Werte kommt es an!

Im inneren werkelt der – mittlerweile in die Jahre gekommene – PCM5102 Stereo DAC von Texas Instruments. Generell keine schlechte Wahl: Der Chip hat einen guten Ruf als einer, der einen klaren und linearen Sound ausgibt. Darauf folgt der LMH6643 als Verstärker und bekräftigt – rein auf den Daten – jenen Anspruch: Wir wollen keine Badewanne sondern den Sound natürlich wiedergeben. Ich bin positiv überrascht. Auch das „In die Jahre gekommene“ ist hier nicht unbedingt nachteilig: Während die Nachfolgemodelle durchaus mehr liefern ist der 5102 ein toller Wandler.

Inbetriebnahme und erste Tests

Das Anschließen und die Inbetriebnahme könnte leichter nicht sein: Micro-USB an den DAC, USB-A an den gewünschten Rechner: Zack, Bumm, läuft. Glücklicherweise auch an allen getesteten Architekturen (Windows 10, macOS Mojave 10.14, Linux Mint Kernel 4.15.0-46): So wünsche ich mir das. Nach dem Anmelden des Geräts im System noch fix den Output entsprechend gesetzt, Kopfhörer eingesteckt und…

… FiiEEEP

„Was ist das?!“ war meine erste Reaktion. Mein Bayerdynamic DT 770 Pro (250Ω Impedanz) lies ein deutliches, hochfrequentes Fiepen vernehmen – und das auf niedriger Verstärkung. Zuerst dachte ich daran, dass ich solches vorher schon erlebt habe: Manche USB-Hosts bekleckern sich da leider nicht mit Ruhm. Entsprechend vom Desktop an den Laptop gewechselt – hier allerdings mit dazwischen gehängtem USB-Hub da nur USB-C am Laptop – mit dem gleichen Ergebnis. Also ein weiterer Test: Vielleicht liegt es ja am Kopfhörer. Also schnell einen alten Razer Hammerhead V2 In-Ear angeschlossen – gleiches Ergebnis. Ich kann es nicht anders sagen: Das hat meine schlimmsten Befürchtungen (Siehe: China Ware) leider wahr werden lassen.

Ich habe den Funktionstest an drei weiteren Rechnern gemacht – alle mit dem gleichen Ergebnis. Vielleicht habe ich ja ein Montagsgerät erwischt – aber dennoch: Schade. Denn abgesehen davon macht der FiiO eine sehr gute Figur.

Test-Musik

Trotz des fiepens wollte ich zumindest noch hören, ob er überhaupt funktionstüchtig ist. Meine FLAC-Benchmark Playlist ist seit Jahren die gleiche – gut, sie wird selten erweitert, aber es fliegen zumindest keine Songs raus – und bildet im Kern meinen Musikgeschmack gut ab.

Dabei bleibt zu sagen, dass der FiiO – insbesondere in der Preisklasse – exzellent liefert. Von den Dire Straits (Sultans of Swing) zu sehr hartem Death Metal (Kataklysm – Beyond Salvation) zu Klassik (Chilly Gonzales – White Keys) gibt es nichts zu kritisieren.

Der kleine DAC gibt sehr genau wieder, was der Künstler bei Aufnahme im Sinn hatte ohne zu verfälschen; sorgt aber für eine gute räumliche Abbildung (Nicht Surround – sondern die „Bühne“) und Saft um ein Hörvergnügen aufkommen zu lassen. Überraschend sind auch die Kraftreserven: Umschalten in den High Gain lässt sogar die hoch-ohmigen Beyerdynamic vibrieren. Für eine so kleine, günstige Kiste ist das definitiv nicht zu erwarten.

Fazit

Puh. Ich bin ein wenig unentschlossen. Technisch und preislich macht der FiiO E10K Olympus 2 einiges richtig. Die Wahl der Chips ist gut; die Verarbeitung – äußerlich und nach dem Auspacken – hochwertig. Auch das Design ist stimmig. Doch: Ein fiepender DAC ist ein fiepender DAC. Eine Recherche ergibt jedenfalls, dass ich nicht der einzige mit dem Problem bin – dennoch gibt es auch etliche andere die Scheinbar kein Problem haben.

Alles in allem kann ich den Verstärker – so wie er mir vorliegt – nicht empfehlen. Der Transparenz halber möchte ich erwähnen, dass das Gerät so vom Hersteller bereit gestellt wurde; ich aber davon abgesehen habe, den Fehler zu melden. Ein Review sollte meines Erachtens nach nicht den „Best Case“ darstellen, wenn es ihn nicht gab. Als jemand der 12 Jahre Erfahrung mit der PR-Tätigkeit hat (fünf davon in der Computer Hardware) weiß ich, dass es zu Fehlern kommen kann. Aber: Diese darf man dann auch nicht verschweigen.

Entsprechend: Lest weitere Testberichte, wenn euch das Gerät interessiert – oder testet es selber. Wenn euer Exemplar keine Macke, hat kann es durchaus ein überschaubares aber lohnendes Investment in gute Soundqualität sein. Eher etwas für den schmalen Geldbeutel. Kann man durchaus testen – aber es besteht zumindest die Chance, ein quasi defektes Gerät zu erhalten.


Über den Autor:

Andre, 32, ist Nerd, Vater und politischer Aktivist aus Hamburg. Hat eine schwäche für gute, portable Hardware, Open Source und Synthesizer. Beruflich: Irgendwas mit Medien und Videospielen.

FiiO E10K Olympus 2

79,99€
5

Technik

8.0/10

Verarbeitung

9.0/10

Umfang

3.0/10

Preis/Leistung

0.0/10

Positiv

  • Hardware ergibt Sinn
  • Flexible Use-Cases
  • Kraftvoll mit hoch impedanten Monitorkopfhörern

Negativ

  • Offensichtliche China-Ware
  • Mäßige Dokumentation
  • Nicht zuende gedachte Konzepte
  • Hochfrequentes Fiepen (bei diesem Exemplar)

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