Test: Dishonored 2

Mit Dishonored haben Arkane Studios die Messlatte recht hoch gelegt. Nun scheint ihnen etwas zu gelingen, woran viele andere Entwickler scheitern: einen Nachfolger abzuliefern, der dem erfolgreichen Originalrezept treu bleibt, dabei jedoch besser, größer, schöner und reichhaltiger wirkt.

Ein neuer (Schatten-)Schritt

Leider konnte dies aber von vielen Spielern der (von uns hier getesteten) PC Version nicht angemessen gewürdigt werden, denn das Spiel wurde zum Release von massiven, geradezu Batman-artigen, Performanceproblemen auf dem PC geplagt. Typische Fälle reichen von Frameraten-Schwankungen zwischen 40 und 100+ FPS auf High-End Systemen, Crashes, Freezes bis zum kompletten Verweigern, überhaupt zu starten.

Arkane Studios haben in den letzten Wochen mit Hochdruck an Patches und Fixes gearbeitet, und der momentan als Beta auf Steam verfügbare Patch 1.3 bringt das Spiel nach Berichten der Steam und Reddit-Communities schon recht nah an unsere Erwartungen.

Dunwall, ich höre dich rufen

15 Jahre sind im Kaiserreich der Inseln vergangen, seit wir als Corvo Attano die Stadt Dunwall (un-)sicher gemacht haben im Kampf gegen Mord, Verschwörung und Seuche. Arkane Studios hat das „low-chaos“ Ende des ersten Spiels (inclusive der DLC) als Kanon übernommen, und Emily herrscht gütig und weise mit Corvo als Berater und Beschützer an ihrer Seite. Viele Figuren deren Überleben im ersten Spiel von unserer Wahl abhing, sind auch in Dishonored 2 wieder mit von der Partie – allen voran Delilah Copperspoon, die nun in Dishonored 2 zur Hauptantagonistin wird.

Wieder wird der Thron des Kaiserreichs der Inseln von einer Intrige bedroht, und Corvo und Emily müssen ums blanke Überleben kämpfen, bevor sie ihre Heimat vor den dunklen Mächten befreien können.

Fensterbesuch
Man weiß nie was man findet wenn man im dritten Stock durchs Fenster steigt.

Dishonored 2 stellt euch zu Beginn vor die Wahl, ob ihr als Emily oder Corvo gegen Delilah antreten wollt. Diese Wahl ist bedeutungsvoll – sie ist dauerhaft für die gesamte Kampagne, es gibt kein Charakterwechsel und auch keinen Coop-Modus für beide. Eure Entscheidung für einen der beiden Hauptcharaktere verdammt den jeweils anderen zur magischen Gefangenschaft in Delilahs Fängen.

Eine weitere Wahl, die Euch zu Beginn erwartet, ist die Entscheidung, die Hilfe des Outsiders anzunehmen oder abzulehnen. Das Spiel ohne die Hilfe von magischen Fähigkeiten wie Dunkler Sicht oder Teleportation abzuschließen erhöht den Schwierigkeitsgrad allerdings merklich.

Die Qual der Wahl

Beide Charaktere können auf eine vielfältige Palette von Werkzeugen zurückgreifen. Neben Schwert, Armbrust und Granaten stehen sowohl Corvo als auch Emily diverse Fähigkeiten zur Verfügung, sofern sie die Unterstützung des Outsiders nicht abgelehnt haben. Beide haben einen kurzen Teleport im Repertoire, dabei unterschieden sich Emilys Weitreichen von Corvos Teleport vor allem in ihren Upgrades.

Die Dunkle Sicht steht beiden Charakteren gleichermaßen zur Verfügung, und erlaubt das auskundschaften der Gegner (und später Objekte und Sicherheitssysteme) durch Wände. Auch das Herz von Jessemine ist wieder mit von der Partie und hilft euch, Runen und Knochenartefakte aufzuspüren, und Interessantes über Orte und Personen herauszufinden.

Doch während das Grundarsenal beiden zur Verfügung steht, sind es fortgeschrittene Fähigkeiten und Upgrades, die den Unterschied zwischen Corvo und Emily wirklich herausstellen, und unterschiedliche Strategien und Synergien ermöglichen. Einige hat Arkane eindrucksvoll in ihrem „Creative Kills“ Trailer vorgestellt:

Dabei sind Emilys Kräfte subtiler, sie kann sich mit Hilfe von Schattengang in ein (un-)heimliches Schattenwesen verwandeln oder Gegner mit einer Beschwörung verzaubern. Corvo hingegen greift auf seine bereits aus dem ersten Teil vertrauten Kräfte wie Rattenschwärme und Zeitmanipulation, die etwas aufpoliert wurden.

Des Werkers Werkzeug

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Diese herrschaftliche Villa birgt ein dunkles Geheimnis

Unterstützt wird dieses Arsenal wieder durch eine ganze Palette von Knochenartefakten, die euch unterschiedliche Boni verleihen. Diese können nicht nur wie im ersten Teil überall in der Welt gefunden werden, sondern nun auch vom Spieler selbst hergestellt werden, um so genau die Boni und Verstärkungen zu erhalten die man wünscht. Darüber hinaus erlauben hergestellte Artefakte, gewünschte Effekte bis zu vier Mal zu Stapeln.

So ergänzt das Crafting eure Upgrades organisch und erlaubt es, euren Charakter gezielt auf eure Spielweise abzustimmen. Doch Vorsicht – beim Herstellen können Knochenartefakte auch werden, und so ist das ganze Material dann futsch.

Hand in Hand mit einer Palette an interessanten Fähigkeiten geht in Dishonored 2 das makellose Leveldesign. Im Herzen ist Dishonored 2 ein klassisches Stealth-Action-Spiel, doch jede Mission ist im Prinzip auch eine kleine Sandbox. Ihr landet an einem Startpunkt, ihr habt ein Ziel. Wie ihr dahin kommt, ist in sich ein Puzzle – es liegt an euch und dem kreativen Einsatz eurer Fähigkeiten, Werkzeuge und der Umgebung.

Der Pläneschmieder

Die jeweiligen Missionsgebiete sind vollgespickt mit einer Vielzahl unterschiedlicher Pfade, um dem Spieler die maximale Wahlmöglichkeit beim Erreichen seines Ziels erlauben – egal ob ihr mit oder ohne Einsatz eurer Superkräfte an die Sache rangeht, und ob ihr Tod und Verderben bringt oder still und heimlich an allen Gegnern vorbeischleicht. Abseits des kürzesten Weges zwischen Punkt A und B liegen viele versteckte Bereiche mit Tränken, Munition, Sammlungsgegenständen und Storymaterial.  Die Umgebungen sind smart gestaltet, fühlen sich dabei niemals „künstlich“ an die Anforderungen des Gameplays angepasst. Jede Mission hat ihr eigenes Thema, ihr eigenes Flair, und doch fühlen sie sich alle natürlich an.

All diese fantastischen Gameplay-Elemente sind in einer Story eingebettet, deren Qualität sich durchaus mit den besten messen kann. Abseits des kürzesten Weges liegt eine Fülle an Geschichten und Hintergrundinformationen, sowohl in der Form von Schriftstücken als auch in der Form von Unterhaltungen zwischen Zivilisten-NPCs.

Fazit

Unter dem Strich ist Dishonored 2 nicht nur ein würdiger Nachfolger, sondern auch ein Juwel in sich – leider stark getrübt von den technischen Problemen auf dem PC. Gameplay und Story überzeugen und die vielfältigen Möglichkeiten eine Mission abzuschließen sorgen für sehr lange anhaltenden Spielspaß.

Dishonored 2

25,08€
Dishonored 2
84.5

Gameplay

10/10

    Story

    9/10

      Grafik

      9/10

        Performance

        6/10

          Positiv

          • Fantastische Welt
          • Spannende Story mit dichter Atmosphäre
          • Hohe Wiederbespielbarkeit

          Negativ

          • Starke Performanceprobleme beim Release

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