Test: Fated – The Silent Oath

Mit “Fated: The Silent Oath” will der kanadische Entwickler Frima Studio beweisen, dass der Fokus auf Emotionen statt Features ein packendes Spielerlebnis liefern kann. Ob sich die Vermutung bewahrheitet, lest ihr in den nachfolgenden Zeilen.

Wir wachen auf, während der Pferde-Karren unter unserem noch tauben Körper knarzt. Verschwommen schwirrt uns gerade noch die Erinnerung an einen Pakt mit Göttern durch den Kopf, als sich die liebliche Frau des Protagonisten über uns beugt. “Uther! Can you hear me?” – Ja, wir können dich hören. Antworten hingegen nicht. Was hier seicht wirkt, ist tatsächlich der Auftakt eines mitreißenden VR-Abenteuers in Filmlänge.

Tapferkeit und Funktionalität

fated_screenshot03“Fated” beschreibt (wie der Name so schön andeutet) das Schicksal eines Vaters, Ehemannes und gleichermaßen Kriegers zu Zeiten der (mythologischen?) Wikinger. Auf der Suche nach eines neuen und vielversprechenden Tals wurde Uther verletzt und wäre seinen Wunden im Normalfall wohl erlegen. Ein Eid hauchte ihm neues Leben ein; zu einem Preis: Schweigsamkeit.

Daher “The Silent Oath”. Hier beschränkt das Entwicklerteam aus Kanada gekonnt unseren Handlungsfreiraum in Dialogen auf Nicken, beziehungsweise Kopfschütteln mit der HMD. Praktisch, denn das Spiel besticht durch seine Authentizität und das Herauskitzeln eurer Emotionen. Textboxen hätten dem ganz sicher eine Abfuhr getan.

Unsere Reise an Seite unserer (schönen) Frau, der jungen Tochter und diversen Familien- sowie Stammesangehörigen führt uns durch malerische Wälder, an schneebedeckten Berghängen vorbei zu Orten, die an dieser Stelle zu Gunsten eures Erlebnisses nicht erwähnt werden. Hierbei fällt direkt auf, dass das Spiel abseits unserer Entscheidungen (Ja/Nein-Bewegungen) linear aufgebaut ist. Etwas das wir Frima Studio nicht ankreiden können, so ist Fated mit weitem Vorsprung das erste reinrassige und noch dazu ziemlich fertige, pure VR-Spiel gewesen.

(Eingeschränkte) Immersion

Die Reise durch stimmige Wälder mit dem Bogen in der HandHighresScreenshot00013_FATED_Lif (leider der einzige Moment im ganzen Spiel, in dem wir selbst Pfeile verschießen dürfen!), auf Kutschen durch schneebedeckte Gipfel oder zu Schusters Rappen und mit einer Fackel in der Hand durch fallenverzierte Höhlen… Fated: The Silent Oath bietet (beinahe) alles, was das Abenteurerherz begehrt.

Gewürzt wird diese Szenerie durch gut vertonte Gespräche, welche sich stimmig in die Situationen einfügen und manches Mal für Gänsehaut sorgen. Ein eigens komponierter Soundtrack und so manche Momente des Terrors und Staunens runden das Virtual Reality Erlebnis dermaßen gut ab, dass es ein Film sein könnte.

Die Immersion wäre fast komplett, wenn da nicht das Manko der künstlichen Fortbewegung per Controller wäre. Viele werden das Laufen per Analogstick nicht auf Anhieb ertragen können. Uns ging es zu Beginn nicht anders. Nach einiger Zeit stellten sich aber zum Glück die sogenannten VR-Legs ein, woraufhin wir auch nicht mehr auf Motion Sickness-Hilfen wie Kachel-Hologramme oder 40°-Wendungen angewiesen waren.

Qualität statt Quantität

Screenshots_FATED_13Wie eingangs bereits erwähnt, wurde in Fated das Hauptaugenmerk auf die wiedergegebenen und teilweise sogar in euch hervorgerufenen Emotionen gelegt. Trotz recht steifer Gesichtsanimationen, schafft es das Spiel erstaunlicherweise, uns beispielsweise an die Rolle des Vaters zu gewöhnen. Augen sagen selbst in digitaler Form wohl mehr als tausend Worte – oder eben Pixel.

Um so mehr erschrecken wir bei ein oder zwei Wendungen, weil wir von Hintergrundmusik und den lebendigen Charakteren in die Atmosphäre gesogen werden; nur um uns plötzlich in einer weiteren unerwarteten und heiklen Situation wieder zu finden. Alles untermalt von passenden, orchestralen Stimmungswechseln. Sehr fein!

Fazit

Trotz allem; die Steam-Bewertungen sprechen leider für sich und zeigen deutlich, wie niedrig die Toleranzgrenze bei uns Spielern sein kann. Nehmt euch doch bitte Zeit und gebt dem Team des Frima Studios eine Chance. Euch erwartet eine Reise durch das mythologische Wikingerzeitalter, in dem sich eure Taten als Vater, Ehemann und Stammesführer wunderbar dramatisch abzeichnen – auf ein ungewöhnliches Ende zuführend, das einen Nachfolger unabdingbar macht. Grafik sowie Akustik sind wirklich aus einem Guss und entführen euch in ein fremdes Land.

Wenn da nicht die kurze Spielzeit und unvermeidlich unglücklich gewählte Locomotion wären, wäre Fated ein Meisterwerk. So ist es “nur” seine knapp 20€ auf alle Fälle wert.

Fated: The Silent Oath

19,99 €
Fated: The Silent Oath
7.6

Audiovisuelle Qualität

9/10

Inhalt / Handlung

9/10

VR-Komfort

6/10

Umfang

7/10

Positiv

  • Schöner Grafikstil aus einem Guss
  • Spannende Geschichte
  • Authentische, vertonte Charaktere
  • Mitreißender Soundtrack

Negativ

  • Keine Speicherpunkte innerhalb der Kapitel
  • Komplett in Englisch
  • Gelegentlich kantige Animationen
  • Leichter Hang zur Motion Sickness
  • Sehr kurz gehalten

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